Pflegebedürftige alte Mutter im Haus

Vermieterin darf die Tochter und Mieterin nicht vor die Tür setzen

onlineurteile.de - Schon seit 1957 lebte eine Frau mit ihrem Mann in dem Mietshaus. 1986 bezog auch ihre Mutter eine eigene Wohnung in diesem Haus. Vorher hatte sie im Nachbarhaus gewohnt. Da die alte Frau schon damals pflegebedürftig war und ihren Haushalt nicht mehr alleine bewältigte, nutzte sie die Gelegenheit, der Tochter noch näher zu kommen. 2001 kündigte die Vermieterin den Mietvertrag der Tochter und machte Eigenbedarf für ihren gehbehinderten Bruder geltend.

Die 93-Jährige sei so dringend auf ihre Tochter angewiesen, urteilte das Amtsgericht Lübeck, dass das Mietverhältnis auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden müsse (27 C 1621/02). Wie lange die alte Frau noch gehen könne, wisse niemand. Jedenfalls sei es wichtig für sie, Hilfe und Betreuung jederzeit in der Nähe zu haben.

Der beinamputierte Bruder der Vermieterin benötige in absehbarer Zeit einen Rollstuhl. Dann sei die betreffende Wohnung für ihn ungeeignet (Hochparterre mit Treppen, enge Toilette etc.), seine Zukunft in diesem Mietshaus also ungewiss. Darüber hinaus habe eine andere Mieterin im Hochparterre schon vor Monaten der Vermieterin mitgeteilt, sie wolle bald ausziehen. Statt diese Wohnung ihrem Bruder anzubieten, habe die Vermieterin dem seit Jahrzehnten dort wohnenden Ehepaar gekündigt - wohl, weil es weniger Miete zahle. Angesichts dieser Umstände wäre es unbillig, die intakte und seit Jahren bewährte Lebensgemeinschaft zwischen der hochbetagten Frau, ihrer Tochter und dem Schwiegersohn zu zerstören.