Pfusch bei der Autoreparatur

Bei groben Fehlern ist ein zweiter Reparaturversuch für Autokäufer unzumutbar

onlineurteile.de - Herr T erwarb von einem Autohändler einen Gebrauchtwagen. Schon bei der ersten Fahrt merkte er, dass mit dem Motor etwas nicht stimmte. Sofort rief T den Händler an, der schickte einen Kfz-Mechaniker zu ihm. Auf der Straße vor dem Haus des Käufers schraubte der Mann am Auto herum. Ein paar Tage später gab der Motor seinen Geist auf.

Nun brachte T den Wagen zu einem Sachverständigen. Der Experte stellte fest, dass der Zahnriemen geradezu "dilettantisch" montiert worden war. Das sei die Ursache des Motorschadens. Daraufhin ließ T von einer anderen Werkstatt für 4.600 Euro einen Austauschmotor einbauen und forderte vom Verkäufer des Wagens Schadenersatz in dieser Höhe.

Das komme nicht in Frage, fand der Autohändler: Der Käufer hätte ihm Gelegenheit zur Nachbesserung geben müssen. Im konkreten Fall treffe das ausnahmsweise nicht zu, urteilte jedoch das Oberlandesgericht Saarbrücken (4 U 52/12).

Da das Auto mangelhaft gewesen sei, habe der Mitarbeiter des Händlers bereits einen Versuch der Nachbesserung unternommen. Dabei, also bei der Montage des Zahnriemens, habe sich der Kfz-Mechaniker haarsträubende Einstellfehler geleistet. Die Nachbesserung habe den Schaden nicht behoben, sondern erheblich verschlimmert — für die Folgen müsse der Verkäufer geradestehen.

Der Anspruch des Käufers auf Schadenersatz scheitere deshalb hier nicht daran, dass er dem Händler keine Frist für einen weiteren Reparaturversuch gesetzt habe. Wenn der erste Versuch unsachgemäß und grob fehlerhaft verlaufe — und von vornherein nur auf provisorische Mängelbeseitigung angelegt sei —, sei es für Käufer unzumutbar, das Ergebnis eines zweiten Versuchs abzuwarten.

Der Wechsel des Zahnriemens bzw. der Spannrolle sei nur mit Spezialwerkzeug und erheblichem Arbeitsaufwand in einer Fachwerkstatt fachgerecht zu bewältigen. Normalerweise gelte die Nachbesserung zwar erst als fehlgeschlagen, wenn ein zweiter Versuch erfolglos blieb. Dem Käufer T stehe jedoch auch ohne zweiten Versuch Schadenersatz zu.