Prügelei im Schlafzimmer

Ehefrau und Kind bekommen das Haus "zur alleinigen Nutzung zugewiesen"

onlineurteile.de - Das Ehepaar stand vor der Trennung. Da eskalierte eines Nachts der Konflikt: Angeblich ging es darum, ob das Fenster des gemeinsamen Schlafzimmers geöffnet bleiben oder geschlossen werden sollte. Seine Frau habe ihn beschimpft, dann habe er sie gestoßen und sei von ihr wild geschlagen worden, berichtete der Ehemann. Anders die Version der Ehefrau: Sie sei vor seinen Angriffen aus dem Schlafzimmer geflohen, da habe er sie zwischen Tür und Türrahmen des Kinderzimmers eingeklemmt und ins Gesicht geschlagen.

Angesichts der mit Fotos dokumentierten Blutergüsse der Ehefrau glaubten die Richter ihrer Version der Geschichte, als sie im Rahmen des Scheidungsverfahrens beantragte, ihr und dem siebenjährigen Sohn das Einfamilienhaus zur alleinigen Nutzung zuzuweisen. Das Oberlandesgericht Stuttgart tat dies, befristet auf fünf Monate, und verbot dem Ehemann, in dieser Zeit das Haus zu betreten (18 WF 190/03).

Dass das Ehepaar das Trennungsjahr unter einem Dach zubringe, komme nicht in Frage. Es bestehe immer noch ein so hohes Maß an Spannungen zwischen den beiden, dass weitere körperliche Auseinandersetzungen drohten. Zwar gehöre das Haus dem Ehemann. Trotzdem müsse er es vorübergehend Frau und Kind überlassen, weil das Wohl des Kindes schwerer wiege als sein Recht auf Eigentum. Das seelische Wohlbefinden des Jungen würde schwer beeinträchtigt, müsste er weitere Prügeleien zwischen den Eltern miterleben. Deshalb dürfe die Frau mit dem Jungen zunächst allein im Haus bleiben. Sie müsse sich allerdings nachdrücklich um eine andere Wohnung bemühen, um nach fünf Monaten wirklich ausziehen zu können.