Querenden Fußgänger angefahren

Autofahrer hatte freie Sicht und hätte den Unfall unschwer verhindern können

onlineurteile.de - Autofahrer X war aus einer Seitenstraße nach links in die Vorfahrtstraße eingebogen. 40 Meter von der Kreuzung entfernt, überquerte gerade ein Fußgänger die neun Meter breite Vorfahrtstraße. Als Fußgänger Y fast den Bürgersteig erreicht hatte, erfasste ihn X mit dem Wagen. Y erlitt am linken Fuß einen komplizierten Mehrfachbruch.

Die Haftpflichtversicherung des Autofahrers zahlte ihm vorgerichtlich 5.000 Euro Schmerzensgeld. Y fand die Summe zu niedrig: 30.000 Euro wären angemessen, meinte er. Das Oberlandesgericht Koblenz verurteilte den Versicherer dazu, an Y weitere 11.800 Euro zu zahlen und legte dabei eine Haftquote von 80 Prozent zu Lasten des Autofahrers zugrunde (12 U 1110/10). Ein geringes Mitverschulden von 20 Prozent müsse sich der Fußgänger anrechnen lassen, so das OLG.

Einen Fußgängerüberweg, den er hätte benutzen können, gebe es an der Stelle zwar nicht. Aber Herr Y hätte schneller gehen können, um rechtzeitig aus der Fahrspur des Autos hinauszukommen. Y habe wohl den Wagen nicht bemerkt oder dessen Geschwindigkeit unterschätzt. Doch das Verschulden des Autofahrers überwiege bei weitem: Denn X hätte den folgenschweren Unfall leicht vermeiden können.

Nach dem Abbiegen habe X eine gerade, gut einsehbare Strecke mit wenig Verkehr vor sich gehabt. Er habe den Fußgänger eigentlich schon beim Abbiegen sehen müssen. Um zu reagieren, habe X bei einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/h mindestens drei Sekunden Zeit gehabt. Er hätte nur ein wenig bremsen oder ausweichen müssen. Stattdessen sei er — abgelenkt durch einen Blick in den Rückspiegel, wie er zugegeben habe — direkt auf Y zugefahren, ohne zu bremsen.