Radfahrerin auf dem Bürgersteig

Wer haftet, wenn sie mit einem aus dem Hof ausfahrenden Wagen zusammenstößt?

onlineurteile.de - Eine Radfahrerin ignorierte das Verbot, auf dem Bürgersteig zu radeln und fuhr auf den Gehweg. Dass vor ihr langsam ein Wagen rückwärts aus einer Hofeinfahrt herausfuhr, bemerkte sie offenbar nicht. Umgekehrt übersah der Autofahrer die Radfahrerin, obwohl er beim Herausfahren mehrmals anhielt, um sich umzusehen. Auch am Ende der Ausfahrt von seinem Grundstück blieb er noch einmal stehen. Trotzdem stieß die Radfahrerin mit dem Wagen zusammen und verletzte sich. Die Frau verklagte den Autofahrer auf Schadenersatz - ohne Erfolg.

Beim Oberlandesgericht (OLG) Celle erntete sie nur harsche Worte: Dass sie trotz ihres groben Verschuldens meine, Schadenersatz zu bekommen, sei "völlig unverständlich" (14 U 222/02). Verkehrsvorschriften einzuhalten sei der uneinsichtigen Frau offenbar fremd. Sie habe als Radfahrerin auf dem Bürgersteig nichts zu suchen. Bürgersteige seien für Fußgänger und Fahrrad fahrende Kinder unter 10 Jahren bestimmt, nicht für erwachsene Radfahrer.

Mit ihrer Rechtfertigung, in der Stadt X sei es gang und gäbe, auf dem Bürgersteig zu radeln, war beim OLG nichts zu holen: Auch wenn es unter Radfahrern "üblich" sei, auf dem Bürgersteig zu fahren, werde daraus kein zulässiges Verhalten. Diese schlechte Gewohnheit bleibe vielmehr ein vorsätzlicher Verkehrsverstoß, denn auch in X gelte die Straßenverkehrsordnung. Den Autofahrer, der äußerst vorsichtig und korrekt gefahren sei, treffe an dem Unfall keinerlei Verschulden - den habe sich die Radfahrerin selbst zuzuschreiben. Daher müsse sie auch die finanziellen Folgen des Unfalls alleine tragen.