Radfahrerin auf der falschen Straßenseite

Autofahrer haftet trotzdem zu zwei Dritteln für die Folgen einer Kollision

onlineurteile.de - Im Sommer 2008 wollte ein Münchner Autofahrer aus der Birkerstraße nach rechts in die Arnulfstraße einbiegen. In der Arnulfstraße kam ihm eine Radfahrerin entgegen, die den Radweg auf der linken Straßenseite entlang fuhr. Der Mercedes-Fahrer sah die Frau zwar, dachte sich aber nichts dabei, weil sie noch fast 200 Meter entfernt war. Deshalb ließ er sein Auto leicht anrollen und blickte nach hinten.

Doch die Radfahrerin war schneller als gedacht - und stieß mit dem Mountainbike gegen den abbiegenden Mercedes. Das Rad verschrammte Stoßstange, Kotflügel und linke Tür. Für die Reparatur musste der Autobesitzer 2.536 Euro ausgeben. Dafür forderte er Schadenersatz von der Radfahrerin. Das sah die Frau nun überhaupt nicht ein: Immerhin habe der Mercedes-Fahrer ihre Vorfahrt missachtet.

Dieses Argument bewog auch die Richterin am Amtsgericht München, der Radfahrerin nur ein Drittel der Reparaturkosten aufzubrummen (343 C 5058/09): An dieser Kreuzung sei die Arnulfstraße bevorrechtigt. Das Verkehrszeichen "Vorfahrt gewähren" an der Einmündung der Birkerstraße gebe grundsätzlich allen Verkehrsteilnehmern auf der Arnulfstraße Vorrang. Das gelte auch für Radfahrer, die den Radweg entgegen der Fahrtrichtung benutzten.

Obendrein habe der Autofahrer die Frau kommen sehen. Er hätte sie also im Auge behalten, zumindest vor dem Abbiegen noch einmal nach ihr schauen müssen. Dann wäre ihm aufgefallen, dass sie schon näher war als gedacht. Selbstverständlich hätte auch die Radfahrerin bremsen müssen, als sie das Auto abbiegen sah. Dass sie vorschriftswidrig auf der falschen Straßenseite gefahren sei und so zum Unfall beigetragen habe, stehe ohnehin fest. Deshalb müsse sie dem Mercedes-Fahrer 845 Euro überweisen.