Ratten im Haus

Wenn die Vermieterin nichts unternimmt, darf der Mieter auf ihre Kosten Abhilfe schaffen

onlineurteile.de - In einem Supermarkt erschreckte eine Ratte die Kunden. Der vom Inhaber des Supermarkts beauftragte Kammerjäger stellte fest, dass Schächte von Versorgungsleitungen zwischen zwei Gebäuden undichte Stellen im Mauerwerk aufwiesen. Durch diese Schächte konnten die Tiere durchschlüpfen. Nachdem man die Mieter im Nachbarhaus informiert hatte, forderte der Mieter im Erdgeschoss sofort seine Vermieterin auf, die Schächte abzudichten. Andernfalls werde er selbst einen Handwerker beauftragen. Die Vermieterin schickte einen weiteren Schädlingsbekämpfer. Der winkte ab und behauptete, es seien nur noch Mäuse da. Man ließ Kot analysieren und stritt eine Weile darüber, ob er akuten Befall belege oder nicht. Dann reichte es dem Mieter; er ließ die Öffnungen im Mauerwerk mit Beton schließen und zog die Kosten (434 Euro) von der Miete ab.

Vergeblich versuchte die Vermieterin, beim Amtsgericht Osnabrück die restliche Miete zu erstreiten (7 C 335/03). Der Mieter habe die Kosten der Baumaßnahme mit der Miete verrechnen dürfen, entschied der Amtsrichter. Rattenbefall sei ein gravierender Mangel der Mietsache, da Ratten gefährliche Krankheiten übertragen könnten. Für den Mieter wäre es daher unzumutbar gewesen, noch länger zuzuwarten. Die Vermieterin habe die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen bestritten, obwohl die Analyse des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestätigte, dass in den Schächten gefundener Tierkot von Ratten stammte. Dass der Mieter ein Bauunternehmen mit der Abdichtung beauftragte, sei daher eine gerechtfertigte Notmaßnahme gewesen.