Raub oder Trickdiebstahl?

In Sizilien im Auto von Motorrad gestoppt - Haftpflichtversicherung muss Verlust ersetzen

onlineurteile.de - Kein schönes Urlaubserlebnis: Ein deutsches Ehepaar war mit dem Auto in einer Stadt auf Sizilien unterwegs. Der Ehemann verfuhr sich und landete in einer engen Seitengasse. Hier hielt ein vor ihm fahrendes Moped mit zwei Personen plötzlich an und zwang den Urlauber so, ebenfalls stehen zu bleiben. Der Soziusfahrer sprang ab, riss die hintere Autotüre auf und schnappte sich zwei (unter einer Lederjacke liegende) Taschen mit Ausweisen, Geld, Brillen, Fotoapparat usw. Dann sprang er wieder aufs Moped und der Fahrer gab Gas. Die Täter entkamen durch eine andere Gasse.

Schlimm, dachte der Autofahrer, aber wenigstens sind wir über unsere Hausratsversicherung gegen Raubüberfälle versichert. In Deutschland erklärte ihm die Versicherung jedoch, hier handle es sich um (unversicherten) Trickdiebstahl und nicht um Raub. Deshalb müsse sie den Verlust nicht ersetzen.

Diese Ansicht teilte das Landgericht Ulm allerdings nicht: Es gab der Zahlungsklage des beraubten Versicherungsnehmers statt (1 S 129/09). Die Täter hätten Gewalt ausgeübt, um den Urlaubern ihre Sachen wegnehmen zu können, so das Gericht, auch wenn sie das Paar selbst nicht angriffen. Daher gehe es hier um Raub und nicht um Diebstahl - der Versicherer müsse für den Schaden einspringen.

Die Gewalt sei darin zu sehen, dass das Moped angehalten wurde, um dem Wagen den Weg zu versperren und den Fahrer so zum Anhalten zu nötigen. Die Täter seien eindeutig arbeitsteilig nach einem gemeinsamen Plan vorgegangen: Nur durch den erzwungenen Halt konnte der Beifahrer die Taschen vom Rücksitz wegreißen.