Raucherin erleidet nach Einnahme der "Pille" Schlaganfall

Gynäkologin hätte die Patientin über die Nebenwirkungen des Medikaments aufklären müssen

onlineurteile.de - Frauen, die nicht mehr ganz jung sind, rauchen und zusätzlich die Pille einnehmen, steigern dadurch das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Sie sollten also auf die Glimmstengel verzichten oder auf das Medikament. So steht es auch im Beipackzettel der Pillen - doch darauf dürfen sich Frauenärzte nicht verlassen. Sie müssen ihre Patientinnen persönlich über das Risiko aufklären, wie kürzlich der Bundesgerichtshof (BGH) entschied.

Im konkreten Fall verordnete eine Frauenärztin einer 29 Jahre alten Raucherin wegen ihrer Menstruationsbeschwerden eine so genannte Pille der dritten Generation. Ab Dezember 1994 nahm die Frau das empfängnisverhütende Mittel ein - im Februar 1995 erlitt sie einen Schlaganfall, ausgelöst durch die Wechselwirkung von Nikotin und Pille. Sie verklagte die Frauenärztin auf Schadenersatz.

Erst der Bundesgerichtshof sprach ihr grundsätzlich einen Anspruch auf Entschädigung zu (VI ZR 289/03). Das ablehnende Urteil der Vorinstanz wurde aufgehoben. Begründung: Angesichts der möglichen schweren Folgen dürften Frauenärzte nicht darauf vertrauen, dass die betroffenen Patientinnen die Warnhinweise in der Packungsbeilage der Pharmaindustrie ernst nehmen. Sie müssten Raucherinnen im Gespräch eindringlich auf das hohe Risiko hinweisen. Nur wenn sie gut informiert seien, könnten Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht wahrnehmen und frei entscheiden: Ob sie wegen des Risikos das Rauchen aufgeben oder lieber auf die Pille verzichten oder ob sie das Risiko auf sich nähmen.