Reisemängel falsch reklamiert

Pauschalreisende müssen sich beim Reiseveranstalter beschweren, nicht beim Hotel

onlineurteile.de - Ein Münchner Ehepaar verbrachte zwei Wochen Urlaub in einem Hotel auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki. 1.946 Euro hatte die All-Inclusive-Pauschalreise gekostet. Das war sie nicht wert, fanden die enttäuschten Urlauber. Sie beanstandeten vor allem die Unterkunft: Schimmel im Bad, schmutzige Zahnputzbecher und Toilettenbürste, schmutzige Wäsche, eine zersplitterte Balkontür, ein schmutziger Swimmingpool, defekte Sonnenschirme, defekte Klimaanlage, liebloses Essen …

Darüber beschwerten sich die Urlauber an der Hotelrezeption, die sie an die Reiseleiterin verwies. Bei der Reiseleiterin erschien das Paar jedoch erst nach zehn Tagen mit der langen Mängelliste. Die Mitarbeiterin des Reiseveranstalters bot den Urlaubern einen kostenlosen Umzug in ein anderes Hotel an. Doch dieses Angebot schlugen sie aus.

Nach dem Urlaub forderten die Münchner vom Reiseveranstalter einen Großteil des Reisepreises zurück (1.167 Euro) und zusätzlich pro Person 973 Euro Entschädigung für vertane Urlaubszeit. Der Reiseveranstalter zahlte nicht und ließ es auf einen Rechtsstreit ankommen — den das Unternehmen beim Amtsgericht München gewann (264 C 25862/11).

Das Paar habe dem Reiseveranstalter die Mängel zu spät angezeigt, urteilte die Amtsrichterin. Für die ersten zehn Tage könne es schon deshalb keinen Schadenersatz verlangen. Sich bei der Hotelrezeption zu beschweren, reiche nicht aus. Nur wenn Reisende Mängel sofort der Reiseleitung — als Vertretung des Reiseveranstalters vor Ort — meldeten, könne diese für Abhilfe sorgen.

Erst nach zehn Tagen habe die Reiseleiterin davon erfahren, dass die Kunden mit dem Hotel unzufrieden waren und habe ihnen daraufhin einen Umzug angeboten. Den hätten die Münchner nicht ablehnen dürfen, auch wenn ihr Urlaub nur noch vier Tage dauerte. Für ein Paar ohne Kinder sei es unproblematisch und kein unzumutbarer Aufwand, das Hotel zu wechseln. Da die Kunden diese Art der Abhilfe verweigerten, stehe ihnen auch für die letzten vier Tage kein Anspruch auf Preisminderung bzw. Schadenersatz zu.