Reiserücktritt wegen familiärer Probleme

Herzrasen und Schlaflosigkeit sind keine "schwere Erkrankung"

onlineurteile.de - Vor der gebuchten Urlaubsreise gab es familiäre Probleme. Die Konfliktsituation machte der Frau schwer zu schaffen: Sie konnte nicht mehr richtig schlafen, das Herz klopfte, Weinkrämpfe schüttelten sie. Nachdem sie ihre Ärztin konsultiert hatte, war der Patientin nicht mehr nach Urlaub zumute; sie sagte die Reise ab. Von der Reiserücktrittskostenversicherung wollte sie die Stornogebühr ersetzt haben. Da sie nicht krank sei, gebe es auch keinen Versicherungsfall, teilte ihr der Versicherer mit.

Das Amtsgericht München gab ihm Recht und wies die Zahlungsklage der verhinderten Urlauberin ab (131 C 20750/03). Versicherungsschutz gebe es nur für "unerwartete schwere Krankheiten", wenn die Reise für den Versicherungsnehmer objektiv unzumutbar sei. Die von der Frau geschilderten Probleme - Herzrasen, Schlaflosigkeit, Weinkrämpfe - seien aber keine Symptome einer schweren Krankheit. In einer familiären Konfliktsituation habe sie ihre Hausärztin aufgesucht und diese habe ihr Beruhigungstropfen verschrieben.

Mit Problemen im privaten und beruflichen Bereich hätten zahlreiche Menschen zu kämpfen. Natürlich könnten sich diese auch auf die körperliche Befindlichkeit negativ auswirken - in eine ernste Erkrankung könne man das trotzdem nicht umdeuten. Reiseabsagen aus persönlichen Gründen seien vom Versicherungsschutz nicht erfasst. Läge eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung vor, müsste dies durch Attest eines Facharztes für Psychiatrie belegt werden.