Reitschüler stürzt beim Aufsitzen ab

Inhaberin der Reitschule haftet als Tierhalterin für den Schaden

onlineurteile.de - In seiner Jugend war der Mann zwar viel geritten und hatte sogar an Turnieren teilgenommen. Das lag aber schon fast 20 Jahre zurück, als er sich bei einer Reitschule als "Wiedereinsteiger" anmeldete. Mittlerweile hatte er ordentlich an Gewicht zugelegt, über 100 Kilo brachte er auf die Waage. Daher hatte er große Probleme, aufs Pferd zu kommen. In der dritten Unterrichtsstunde bekam er beim Aufsitzen sein rechtes Bein nicht über die Kruppe des Islandpferdes, obwohl die Reitlehrerin den Sattel festhielt. Entweder berührte er dabei die Kruppe etwas unsanft oder er ließ sich anschließend zu abrupt mit seinem ganzen Gewicht in den Sattel fallen (dieser Punkt blieb umstritten!). Jedenfalls begann das Pferd zu bocken, sprang im Galopp davon und drehte dann so jäh ab, dass der Mann vom Pferd stürzte. Dabei brach er sich das Schulterblatt und zog sich Rippenbrüche und Blutergüsse zu. Er verklagte die Inhaberin der Reitschule und die Reitlehrerin auf Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf vermerkte zwar, der Unfall des ungelenken Reitschülers sei im Wesentlichen dessen Ungeschicklichkeit zuzuschreiben (4 U 207/01). Dennoch verurteilte es die Inhaberin der Reitschule zur Zahlung von 13.405 Euro Schmerzensgeld. Diese hafte zum einen (verschuldensunabhängig) als Tierhalterin für den Schaden: Das ansonsten ruhige und gutmütige Reitpferd sei durchgegangen, was typisch sei für das "naturgemäß unberechenbare Verhalten" von Tieren. Zum anderen habe es die Chefin versäumt, der Reitlehrerin die nötigen Anweisungen zu geben.

Die Reitlehrerin selbst hafte für den Unfall nicht, denn als Angestellte handle sie weisungsgebunden und sei nicht für das Tier verantwortlich. Ihre Arbeitgeberin aber hätte die Lehrerin dazu anhalten müssen, bei Schülern mit Problemen beim Aufsitzen die Zügel zu sichern. Das hätte höchstwahrscheinlich genügt, um das Pferd am Wegstürmen zu hindern.