Reklame, als Preisrätsel getarnt

Werbung muss für die Leser einer Zeitschrift auf den ersten Blick zu erkennen sein

onlineurteile.de - Eine Monatszeitschrift veröffentlichte unter der Überschrift "Gewinnen Sie ein Epiliergerät von Braun" ein Preisrätsel. Mit der richtigen Antwort konnten die Teilnehmer ein Gerät im Wert von 150 Euro gewinnen. Die Preisfrage lautete: "Was ist das Geheimnis des Silk-épil Xpressive Wet&Dry?"

Das Gerät wurde im Text so beschrieben: "Der Winter setzt unserer Haut mächtig zu … der Wasserhaushalt (kommt) aus der Balance und verlangsamt den natürlichen Erneuerungsprozess der Haut. Ein Grund, warum Experten im Winter eine äußerst sanfte Haarentfernungsmethode empfehlen. Der Silk-épil Xpressive Wet&Dry von Braun ist dafür ideal, denn er bietet die sanfteste und hautschonendste Epilation, die es je von Braun gab. Sein Geheimnis ist die Anwendung unter Wasser ...".

Am Ende der kleingedruckten Teilnahmebedingungen stand der Hinweis, dass der Hersteller die Gewinne kostenlos zur Verfügung stellte. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs beanstandete das Preisrätsel als unzulässig, weil es nichts weiter als getarnte Werbung sei. Mit ihrer Unterlassungsklage hatten die Wettbewerbshüter beim Bundesgerichtshof Erfolg (I ZR 205/11).

Verschleierte Reklame verstoße gegen das Wettbewerbsrecht, so die Bundesrichter. Werde in einer Zeitschrift der redaktionelle Teil mit Werbung vermischt, sei im Allgemeinen eine Täuschung der Leser und Verbraucher anzunehmen. Leser schenkten redaktionellen Beiträgen mehr Aufmerksamkeit und nähmen sie ernster als Angaben des Herstellers selbst, die sie ohne Weiteres als Reklame identifizieren könnten.

Im konkreten Fall sei die Werbung für das Epiliergerät Teil des Gewinnspiels und zugleich mit Elementen redaktioneller Berichterstattung angereichert. Werbung und Bericht gingen ineinander über — Leser könnten zwischen diesen Ebenen kaum unterscheiden. Zwar weise die Redaktion darauf hin, dass die ausgelobten Epiliergeräte von Braun gestiftet seien.

Darauf stoße der Leser aber erst im Kleingedruckten, so dass er den Werbecharakter des Rätsels nicht von vornherein eindeutig erkennen könne. Also könne er leicht dem Irrtum erliegen, dass die Redaktion dieses Gerät auf Grund objektiver, begründeter Wertschätzung als Preis ausgewählt habe. Unter diesen Umständen nähmen Verbraucher die Produktinformationen weniger kritisch auf.