Restwertaufkäufer im Internet

Muss sich der Unfallgeschädigte so ein Angebot anrechnen lassen?

onlineurteile.de - Nach einem Verkehrsunfall brachte der Unfallgeschädigte seinen Wagen zum Sachverständigen, der einen Totalschaden feststellte und den Restwert im regionalen Markt auf 4.000 Euro schätzte. Woanders wäre eventuell bei einem Verkauf auch mehr zu erzielen, räumte der Kfz-Experte ein. Und tatsächlich ging übers Internet das Angebot eines Restwertaufkäufers ein, der für den Wagen 9.900 Euro bot.

Da hatte der Autobesitzer den Unfallwagen jedoch schon für 4.000 Euro verkauft. Mit der Kfz-Versicherung des Unfallverursachers kam es deshalb zum Rechtsstreit um die Frage, welcher Restwert auf die Höhe der Entschädigung anzurechnen sei: 4.000 Euro, die der Unfallgeschädigte beim Verkauf tatsächlich erhalten hatte, oder die 9.900 Euro, die er hätte kassieren können ...

Grundsätzlich dürfe der Unfallgeschädigte sein Auto zu dem Restwert verkaufen, den der Gutachter für den regionalen Markt ermittle, betonte das Oberlandesgericht Hamm (I-9 U 48/08). Er sei in der Regel nicht verpflichtet, einen Sondermarkt für Restwertaufkäufer im Internet in Anspruch zu nehmen. Im konkreten Fall lägen jedoch besondere Umstände vor.

Hier hätte der Unfallgeschädigte das Internetangebot annehmen müssen, denn es sei ihm ohne jedes Risiko und Aufwand zugänglich gewesen. Insbesondere habe der Aufkäufer angeboten, den Wagen kostenlos abzuholen. Auch der Kfz-Experte habe ja schon darauf hingewiesen, dass man das Fahrzeug anderswo günstiger losschlagen könnte. Um die wesentlich höhere Summe zu erlösen, die man ihm im Internet geboten habe, hätte der Unfallgeschädigte nur kurz telefonieren müssen.