Riskante Autowäsche

Mitarbeiterin einer "Service-Tankstelle" fuhr ein Cabrio in der Waschanlage gegen eine Werbetafel

onlineurteile.de - Eine Autofahrerin brachte ihr Cabrio zu einer Münchner Service-Tankstelle. Sie nahm die Werbung wörtlich - "Service wird bei uns groß geschrieben" - und bat den Tankwart, das Auto aufzutanken und durch die Waschanlage zu fahren. Unmöglich, lautete die Auskunft, er habe gar keinen Führerschein. Die Kassiererin lehnte die Bitte ebenfalls ab, weil sie schon seit Jahren nicht mehr gefahren sei.

Schließlich ließ sie sich dann doch vom Tankwart überreden - Pech. Denn sie trat aus Versehen statt auf die Bremse aufs Gaspedal und fuhr das Auto gegen eine Werbetafel. Für die Reparatur der Kühlerhaube müsse die Inhaberin der Tankstelle aufkommen, fand die Cabrio-Besitzerin.

Die sah dafür nun überhaupt keinen Anlass: Ihre Mitarbeiter hätten der Kundin nur einen Gefallen tun wollen ... Doch die Zahlungsklage der Kundin hatte beim Landgericht München I Erfolg (13 S 5962/09). Bei einer Service-Tankstelle dürften die Kunden davon ausgehen, dass Wagen durch die Waschanlage gefahren werden.

Das sei keine private Gefälligkeit: Schließlich suchten gerade Kunden, dienicht die Kenntnisse oder keine Lust hätten, ihr Auto zu warten, eine Service-Tankstelle auf. Der Tankwart sei für kleinere Serviceleistungen wie Tanken und Scheibenwaschen eingestellt gewesen. Er habe daher solche Aufträge annehmen dürfen und insoweit als Vertreter der Inhaberin gehandelt.

Allerdings dürfe der Tankwart nicht die Autoschlüssel der Kundin akzeptieren und damit diesen Service übernehmen, wenn er - und auch die übrigen Mitarbeiter - nicht in der Lage sei, den Auftrag auszuführen. Deshalb müsse die Inhaberin der Tankstelle der Cabrio-Besitzerin Reparaturkosten erstatten und sie für den Nutzungsausfall entschädigen.