Riskante Treppe

Schwer begehbare Treppen können mangelhaft sein, auch wenn die DIN-Norm erfüllt ist

onlineurteile.de - Ein Ehepaar kaufte von einem Bauunternehmen eine — noch zu bauende — Doppelhaushälfte für 408.600 Euro. Als das Haus fertig war und die Eigentümer einzogen, gab es Probleme mit den Treppen zum Keller und zum oberen Stockwerk. Die Stufen waren vor allem in den Wendungen so eng, dass die Bewohner einige Male stürzten.

Vom Bauträger forderte das Ehepaar 10.000 Euro — damit wollte es die Treppenkonstruktion erneuern lassen: Die Treppen seien schwer begehbar und deshalb mangelhaft, so die Hauseigentümer. Die Beschwerde sei völlig unbegründet, fand dagegen das Bauunternehmen: Denn die Treppen entsprächen der DIN-Norm 18065, die verbindlich die Regeln der Technik für den Treppenbau festlege.

So sah es auch das Landgericht, das die Klage der Hauseigentümer abwies. Doch deren Berufung gegen das Urteil hatte beim Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg Erfolg (12 U 115/12). Das OLG beauftragte einen Sachverständigen, der in seinem Gutachten bestätigte, dass die Treppen die anerkannten Regeln der Technik — gerade so eben — einhielten.

Die DIN-Norm 18065 gebe kein exaktes Schrittmaß für Treppen vor, erläuterte der Experte, sondern benenne einen Bereich von 59 bis 65 Zentimetern (cm). Innerhalb dieser Spanne müsse das Schrittmaß liegen. Ein für jedermann optimales Schrittmaß existiere ohnehin nicht, denn was optimal sei, hänge letztlich von der Körpergröße des Treppenbenutzers ab.

63 cm sollten es aber sein, um eine Treppe bequem hinauf- und hinabsteigen zu können. Im Haus des Ehepaars liege das Schrittmaß der Stufen innen in den Wendungen bei nur 59 cm, also an der Grenze des nach DIN 18065 Zulässigen. Treppen mit diesem Schrittmaß würden allgemein als "schwer begehbar" empfunden.

Das OLG gab auf Basis dieses Gutachtens den Hauseigentümern Recht: Normalerweise liege ein Baumangel vor, wenn Bauleistungen gegen anerkannte Regeln der Technik verstoßen. Das treffe hier nicht zu. Wesentlich komme es aber darauf an, ob eine Bauleistung "gebrauchstauglich" sei. Eine schwer begehbare Treppe sei aber nicht gebrauchstauglich, auch wenn sie die einschlägige DIN-Norm (gerade noch) erfülle.

Sie sei daher als mangelhaft zu bewerten. Da die Parteien im Bauträgervertrag den Bau eines hochwertigen Hauses zu einem relativ hohen Preis vereinbarten, schulde das Bauunternehmen den Käufern nicht nur die Mindestqualität, sondern bequem begehbare Treppen. Da seine Leistung dahinter zurück bleibe, müsse das Unternehmen die Mängelbeseitigung finanzieren.