Rohrbruch wegen Korrosion

Wasserinstallation war mangelhaft, selbst wenn der Handwerker anerkannte Regeln der Technik befolgte

onlineurteile.de - 2003 hatte der Sanitärhandwerker Wasserleitungen im Neubau des Bauherrn B verlegt, Kunststoffrohre mit Messingverbundstücken. Fünf Jahre später kam es in dem Haus zu mehreren Wasserschäden durch Rohrbruch: Infolge der Chlorid-Belastung des regionalen Trinkwassers waren die Rohrverbindungen korrodiert, wie ein Sachverständiger feststellte. Daraufhin forderte B vom Installateur 14.900 Euro: So viel werde es kosten, alle Wasserleitungen auszutauschen.

Der Handwerksunternehmer fand jedoch seine Werkleistung einwandfrei und wies die Forderung des Bauherrn zurück. Die verwendeten Rohrverbindungen mittlerer Art und Güte entsprächen den anerkannten Regeln der Technik, erklärte der Installateur, er verbaue sie schon seit vielen Jahren. Nur durch den Kontakt mit dem unerwartet hohen Chloridgehalt im Wasser seien Schäden entstanden. 2003 sei die Konzentration geringer gewesen, da habe er die später höhere Belastung nicht voraussehen können.

Darauf komme es hier nicht an, urteilte das Oberlandesgericht Hamm (17 U 170/11). Auch wenn man ihm kein Verschulden vorwerfen könne und die Arbeit 2003 möglicherweise den Regeln der Technik entsprochen habe: Die Installation sei schon deshalb mangelhaft, weil sie undicht sei. Handwerker müssten zwar grundsätzlich die anerkannten Regeln der Technik einhalten.

Umgekehrt schließe aber allein die Tatsache, dass der Sanitärhandwerker diese Regeln erfüllt habe, eine fehlerhafte Werkleistung nicht aus. Ein Installateur schulde dem Bauherrn nicht das Einhalten von Regeln, sondern ein dichtes Rohrleitungssystem. Wenn er eine (fundierte, auf seiner Erfahrung basierende) Prognose zur Beschaffenheit des Trinkwassers treffe, müsse er für die Folgen einstehen, wenn sich diese Prognose nachträglich als falsch erweise.

Die Chloridkonzentration im Wasser schwankte zwar ständig, habe aber die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung nie überschritten. Diesen Werten müssten Rohrverbindungen allemal standhalten. Der Installateur habe Material eingesetzt, das für die Wasserqualität in dieser Region ungeeignet sei — er hätte einen korrosionsbeständigeren Werkstoff verwenden müssen.

Die Verjährungsfrist von fünf Jahren für solche Arbeiten sei noch nicht abgelaufen. Da B 2008 das Verfahren gegen den Handwerker einleitete, habe er damit die Frist "aufgehalten".