Rückflug war "überbucht"

Anspruch auf Ausgleichszahlung haben Reisende nur gegen die Fluggesellschaft

onlineurteile.de - Ein deutsches Ehepaar hatte bei einem Reiseveranstalter Pauschalurlaub auf Teneriffa gebucht. Der Rückflug sollte am 28. April 2005 stattfinden, das Flugzeug gegen 22.25 Uhr abends in Berlin-Tegel landen. Am Abreisetag erfuhren die Urlauber auf dem Flughafen in Teneriffa, das Flugzeug sei überbucht. Man könne ihnen aber eine Alternative anbieten, erklärten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft: Die Reisenden könnten nach Bremen fliegen und von dort aus mit einem Mietauto weiterfahren. Das Ehepaar akzeptierte den Vorschlag und kam schließlich am 29. April - weit nach Mitternacht - zu Hause an.

Deshalb forderte der Kunde vom Reiseveranstalter eine Entschädigung für die Mehrkosten (Mietwagen, Benzin) und 600 Euro Ausgleichszahlung (gemäß EG-Verordnung für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung). Der Reiseveranstalter erstattete 171 Euro. Vergeblich verklagte ihn der Kunde auf Zahlung des restlichen Betrages. Beim Reiseveranstalter sei er an der falschen Adresse, erklärte ihm der Bundesgerichtshof (X ZR 49/07).

Werde ein Flug annulliert oder, wie hier, die Fluggäste trotz Buchung nicht befördert, müssten sie ihre Ansprüche gegen das Luftfahrtunternehmen geltend machen. Nicht der Reiseveranstalter, sondern die Fluggesellschaft sei verpflichtet, die Passagiere zu befördern. Die Verordnung erweitere den Schutz der Pauschalreisenden, weil (neben der Haftung des Reiseveranstalters für Reiseleistungen) die Airlines dafür hafteten, dass An- und Abflüge klappten.

Der EU-Rat habe die EG-Verordnung seinerzeit so begründet: Sämtliche Ausgleichsverpflichtungen gegenüber Fluggästen würden "dem ausführenden Luftfahrtunternehmen auferlegt, da dieses auf Grund seiner Präsenz auf den Flughäfen in der Regel am besten in der Lage ist, diese Verpflichtungen zu erfüllen". Müssten Fluggesellschaften Kunden entschädigen, obwohl der Reiseveranstalter für eine Annullierung verantwortlich sei, könnten sie von ihm Regress fordern. Davon könne hier aber keine Rede sein.