Rüffel für Amazon

Fehlende Preisangaben für Konserven bringen dem Versandhändler Ärger ein

onlineurteile.de - Groß geworden mit Bücherversand, verkauft Online-Versandhändler Amazon mittlerweile Produkte aller Art. Ein Internetangebot von Gemüsekonserven brachte ihm Ärger ein: Denn Amazon hatte in fünf Fällen den Grundpreis (= Produktpreis bezogen auf eine Standardmenge) nicht angegeben. In einem Fall stimmte der Bezug von Grundpreis und Abtropfgewicht des Gemüses nicht.

Deswegen mahnte ein Wettbewerbsverband — dem Verbände und Unternehmen des Lebensmittelhandels angehören — Amazon ab. Amazon korrigierte den Fehler und ersetzte dem Verband die Abmahnkosten. Doch eine Unterlassungserklärung wollte der Versandhändler nicht abgeben: Das sei nur ein "Ausreißer" gewesen, ein Versehen sonst sehr zuverlässiger Mitarbeiter beim Ausfüllen und Hochladen der Onlineformulare.

Nun zog der Verband vor Gericht und erreichte beim Oberlandesgericht (OLG) Köln, dass der Versandhändler einen Rüffel erhielt (6 U 46/12). Mit dem Grundpreis enthalte Amazon den Verbrauchern eine wesentliche Produktinformation vor, so das OLG.

Damit verletze der Versandhändler die fachliche Sorgfalt, die das Europäische Recht Unternehmen im geschäftlichen Umgang mit Verbrauchern vorschreibe. Wie und warum dieser Verstoß zustande gekommen sei, spiele hier keine Rolle: Das Unternehmen hafte auch für Fehler von Mitarbeitern und Subunternehmern.

Für Internetversandhändler gelten die gleichen strengen Maßstäbe wie für Lebensmittelhändler in Ladengeschäften. Händler müssten organisatorisch sicherstellen, dass die gesetzlichen Pflichten beim Anbieten von Waren erfüllt würden. Da dürfe es keine "Ausreißer" geben. Niemand könne sich seinen Pflichten entziehen, indem er auf Nachlässigkeiten verweise, die "im Massengeschäft halt nun einmal vorkommen".

Kaum zu glauben, dass Amazon solche Fehler nicht vermeiden könnte: etwa durch ein verbessertes Datenverarbeitungssystem (das z.B. ein Hochladen des Angebots verhindert, solange noch kein Grundpreis eingegeben ist) oder durch bessere Kontrolle der im Internet veröffentlichten Verkaufsangebote.