Säugling verunglückt bei der Pflegemutter

Träger des Jugendamts haftet für deren (mögliches) Verschulden nicht

onlineurteile.de - Die drogenabhängige Mutter des sechs Wochen alten Säuglings hatte keine eigene Wohnung und war von einem Bekannten aufgenommen worden. Bei einem unangemeldeten Hausbesuch fanden Mitarbeiter des Jugendamts das Baby in dessen Bude - eingewickelt in eine schmutzige Decke, in "Gesellschaft zweier Männer und zweier Kampfhunde". Sie ließen das Kind sofort zu einer Pflegefamilie bringen.

Die Pflegemutter (Kinderkrankenschwester und Mutter von drei Kindern) stand seit zwei Jahren auf der Liste für Pflegeeltern und hatte bereits andere Säuglinge betreut. Zehn Tage war das Baby bei ihr, dann wurde es mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Es ist seither schwerbehindert. Der Säugling sei von der Wickelauflage gefallen und dabei unglücklich mit dem Kopf am Waschbecken angeschlagen, behauptete die Pflegemutter.

Ihre Schilderung wurde angesichts der Verletzungen des Kindes von der gesetzlichen Krankenkasse und Pflegekasse angezweifelt. Die Kassen forderten vom Landkreis als Träger des Jugendamts Ersatz für die Behandlungs- und Betreuungskosten von über 50.000 Euro. Die Klage wurde vom Bundesgerichtshof abgewiesen (III ZR 164/05).

Zu Recht hätten die Mitarbeiter des Jugendamts den Säugling aus der für ihn gefährlichen Umgebung herausgeholt und vorläufig bei einer geeigneten Person untergebracht. Die Pflegefamilie sei sorgfältig ausgewählt worden, deswegen sei dem Jugendamt kein Vorwurf zu machen. Auch für ein mögliches Verschulden der Pflegemutter - was bislang ungeklärt sei - hafte der Träger des Jugendamts nicht: Es wäre nicht dem Jugendamt zuzurechnen.