"Sammeln für die Klassenfahrt"

Unzulässige Werbung eines Süßwarenherstellers

onlineurteile.de - Im Internet und auf den Verpackungen seiner Kekse warb ein Süßwarenherstellern für seine "Aktion Klassenfahrt". Das Unternehmen versuchte, Schüler als Kunden anzulocken, indem es für den Kauf von Süßigkeiten "Klassenfahrtpunkte" vergab. Diese waren in ein - aus dem Internet zu beziehendes - Klassensparbuch einzukleben. Brachte eine Schulklasse 222 solcher Punkte zusammen, konnten diese bei Reisebüros eingelöst werden: für dreitägige Klassenfahrten in deutsche Großstädte (zum "Komplettpreis" von 99 Euro pro Person).

Ein Verbraucherschutzverband kritisierte die Werbekampagne: Nehme eine Klasse mit Billigung der Lehrer an der Aktion teil, entstehe so eine Art Gruppendruck. Jeder solle dann die Süßwaren des Unternehmens kaufen, um Punkte zu sammeln. Damit werde die Entscheidungsfreiheit der jungen Verbraucher in unzulässiger Weise beeinflusst. So sah es auch das Oberlandesgericht Celle, es verbot die Aktion (13 U 13/05).

Durch die Kampagne entstehe eine Art Kaufzwang: Entscheide sich eine Klasse für so eine "subventionierte" Klassenfahrt, hätten es "Abweichler" schwer und müssten sich Vorwürfe gefallen lassen ("Spielverderber", "unsolidarisch"). Notgedrungen müssten sie dann die Klassenfahrt durch überflüssige Einkäufe unterstützen, die sie ansonsten unterlassen hätten. Auch wenn der Kaufzwang nicht vom Unternehmen selbst ausgehe, sondern von der Gruppe bzw. der Schulklasse, bleibe doch festzuhalten, dass die Werbekampagne in unsachlicher Weise auf Kaufentscheidungen der Schüler einwirke.