Schadensgutachten unnötig?

Ohne Gutachten weiß der/die Unfallgeschädigte oft gar nicht, ob nur ein Bagatellschaden vorliegt

onlineurteile.de - Die Autofahrerin hatte ihren Wagen auf dem Parkplatz einer Kindertagesstätte abgestellt. Während sie ihr Kind abholte, beschädigte ein anderer Besucher — bei dem Versuch, rückwärts auszuparken — ihren dreieinhalb Jahre alten Wagen. Nach dem Unfall ließ ihn die Besitzerin durch ein Sachverständigenbüro begutachten. Der Kfz-Experte schätzte die Reparaturkosten auf 886 Euro (brutto 1.054 Euro).

Der Übeltäter hatte alle Schuld auf sich genommen und seine Haftpflichtversicherung ersetzte anstandslos die Reparaturkosten. Doch die Kosten für das Sachverständigengutachten (323 Euro) wollte sie nicht tragen. Begründung: Bei so einem Bagatellschaden hätte es der Kostenvoranschlag einer Kfz-Werkstatt auch getan.

Mit Erfolg verklagte die Autobesitzerin das Versicherungsunternehmen auf Zahlung. Liege der Schaden über 700 Euro, stelle dies keine Bagatelle dar, so das Amtsgericht Kiel (113 C 145/11). Diesen Betrag betrachte die Rechtsprechung als Grenze. Seien die Reparaturkosten höher, sei prinzipiell das Gutachten eines geprüften Kfz-Sachverständigen notwendig und ein Kostenvoranschlag ungenügend.

Doch hänge es nicht allein von der Schadenshöhe ab, ob der Haftpflichtversicherer die Gutachterkosten ersetzen müsse. Wenn der/die Unfallgeschädigte den Sachverständigen mit einem Gutachten beauftrage, sei ihm/ihr die Höhe des Schadens ja gerade unbekannt. Der Schadensumfang, den der Kfz-Experte ermittle, könne daher nur ein Anhaltspunkt dafür sein, ob ein Gutachten wirklich notwendig war.

Der Versicherer behaupte, hier sei für jeden Laien ohne weiteres erkennbar gewesen, dass keine gravierenden Schäden vorhanden waren. Das verkenne die Lage. Angesichts der modernen Fahrzeugtechnik werde es für Laien immer schwerer, den Umfang eines Schadens selbst halbwegs einzuschätzen. Teilweise gehe es auch bei Schadensbildern, die nach außen hin geringfügig erscheinen, um bedeutende Schäden.