Schädelbruch nach Reitunfall

Reiterin wirft einem Arzt Behandlungsfehler vor, weil er keine Computertomographie anordnete

onlineurteile.de - Bei einem Ausritt stürzte eine Reiterin vom Pferd, weil es scheute und durchging. Dabei trat das Pferd dermaßen gegen ihren Reithelm, dass er zerbrach. Ein Bekannter brachte die Frau in die D-Klinik, weil ihr schwindlig war und "der Kopf brummte". Die klinische Untersuchung ergab jedoch keinen neurologisch auffälligen Befund, die Röntgenaufnahme zeigte keine Schädelverletzung.

Am Nachmittag des Unfalltages wurde die Reiterin daher wieder entlassen — versehen mit dem ärztlichen Rat, sofort wieder zu kommen, wenn sich die Kopfschmerzen verschlimmern sollten. Drei Tage später ließ sich die Frau in einem anderen Krankenhaus untersuchen. Bei der Computertomographie (CT) wurden eine Schädelfraktur und ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt.

Vom Mediziner und vom D-Klinikträger forderte die Reiterin finanziellen Ausgleich für einen Behandlungsfehler: 70.000 Euro Schmerzensgeld sowie 30.000 Euro Schadenersatz für Verdienstausfall und die Kosten einer Haushaltshilfe.

Der Arzt der D-Klinik habe die schweren Verletzungen übersehen, kritisierte die Patientin. Eine CT zu unterlassen, sei grob fehlerhaft gewesen. Sie habe ihm gesagt, dass sie verschwommen sehe und Schwindelattacken habe. Immer noch leide sie unter neurologischen Störungen, die auf die Versäumnisse in der D-Klinik zurückzuführen seien.

Gestützt auf medizinische Gutachten verneinte das Oberlandesgericht Düsseldorf einen Fehler des Arztes und wies die Klage ab (8 U 66/06). Angesichts der Befunde bei der klinischen Untersuchung und bei der Röntgenaufnahme habe kein Anlass bestanden, eine CT durchzuführen. Der Schädelbruch sei auf den Röntgenbildern nicht zu erkennen.

Die Patientin habe sich am Unfalltag nicht erbrochen und keine neurologischen Defizite gezeigt. Dann wäre eine CT-Untersuchung angebracht gewesen. Weder die neurologische Untersuchung in der zweiten Klinik, noch die CT des Schädels habe einen Befund ergeben, der neurologische Ausfälle am Unfalltag plausibel machen würde. Der medizinische Sachverständige habe jeden Zusammenhang zwischen der Unfallverletzung (Schädel-Hirn-Trauma) und den behaupteten akuten neurologischen Störungen der Reiterin bestritten.

Aber darauf komme es hier nicht einmal an: Denn der Neurologe habe auch ausgesagt, dass die Patientin nicht anders behandelt worden wäre, wenn sofort eine CT gemacht und der Schädelbruch noch am Unfalltag entdeckt worden wäre. Ihre gesundheitlichen Probleme hätten auch dann keinen günstigeren Verlauf genommen.