Schauspieler wirbt für Getränke

Nach der Publikation seiner Autobiografie fürchtete die Brauerei ums Image ...

onlineurteile.de - Ein bekannter deutscher Schauspieler schloss mit Getränkehersteller X 2003 einen Werbevertrag. Er sollte drei Jahre lang als "Testimonial" für die Getränke des Unternehmens auftreten (ein "Testimonial" ist eine Person, die mehr oder weniger glaubwürdig vor Kameras versichert, bestimmte Produkte ganz toll zu finden - nicht zu Werbezwecken, versteht sich, sondern "privat"). Die Frage nach dem Konsum der X-Marken sollte der Imagewerber stets positiv beantworten und keinesfalls öffentlich Konkurrenzprodukte loben.

Das tat der Schauspieler auch nicht. Doch nach Ansicht seiner Geschäftspartner leistete er sich dennoch einen dicken Fehler: In der "Bild"-Zeitung erschien ein Vorabdruck seiner Autobiografie, in der der Mann über sein ausschweifendes früheres Leben berichtete (wilde Partys, Alkoholexzesse, Drogen etc.). Unternehmen X kündigte daraufhin den Werbevertrag und forderte einen Teil des im Voraus gezahlten Honorars zurück.

Das Oberlandesgericht München erklärte die Kündigung für unberechtigt (7 U 4392/07). X fürchte, dass die Werbekampagne das Image seiner Getränke beeinträchtigen könnte. Ob und wie sehr das "wilde Vorleben" des Werbeträgers negativ wirke, sei aber nicht zu beweisen. Nur wenn das Unternehmen tatsächlich einen konkreten Schaden erlitten hätte, wäre es für X unzumutbar, das Vertragsverhältnis bis zum vorgesehenen Ende fortzusetzen.

Der Schauspieler habe den Werbevertrag erfüllt, der ihm Wohlverhalten nur abverlange, soweit es um die Produkte von X gehe. Nirgendwo komme zum Ausdruck, dass sich der Mann verpflichtet hätte, durch sein Auftreten in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Image zu verkörpern oder zu bewahren.

Warum hätte er also von der Publikation der Autobiografie absehen sollen? Zumal sein früherer Lebensstil schon längst allgemein bekannt und kein Nachteil für Brauerei X absehbar war. Denn: Die Annahme, dass das dem Buch entgegengebrachte Medieninteresse die Wirkung der Werbekampagne nicht störte, sondern steigerte, sei keineswegs abwegig.