Scheidung nach 21 Ehejahren

Beim Krankenunterhalt kommt der nachehelichen Solidarität besonderes Gewicht zu

onlineurteile.de - 2004 ließ sich das Ehepaar nach 21 Jahren Ehe scheiden. Die zwei Kinder des Paares waren bereits volljährig. Der Lkw-Verkäufer hatte eine neue Partnerin gefunden, die in sein Haus einzog. Seine Frau, eine ehemalige Friseurin, hatte das Eigenheim verlassen. Seit 2005 ist sie wegen einer Depression in psychotherapeutischer Behandlung.

Im Rechtsstreit um die Höhe des nachehelichen Unterhalts gab das Amtsgericht ein arbeitsmedizinisches Gutachten in Auftrag: Der Sachverständige stellte fest, die Frau sei derzeit erwerbsunfähig. Panikattacken und soziale Phobie schlössen auch eine geringfügige Arbeit aus. Die Psychotherapie werde geschätzte drei Jahre dauern. Dann könnte die Frau vermutlich wieder einer Arbeit nachgehen.

Auf die Klage des Ehemannes hin senkte das Oberlandesgericht Hamm den vom Amtsgericht festgesetzten nachehelichen Unterhalt für die geschiedene Frau auf monatlich 1.260 Euro (993 Euro Elementarunterhalt plus 267 Euro Altersvorsorgeunterhalt). Ihren Anspruch auf Unterhalt zeitlich zu befristen, komme jedoch angesichts der ungewissen Zukunft nicht in Frage, so die Richter (4 UF 151/09). Gerade beim Krankenunterhalt komme der nachehelichen Solidarität besonderes Gewicht zu.

Ob der Anspruch der Ehefrau über das Jahr 2010 hinaus bestehe, sei momentan nicht verlässlich zu beurteilen. Nach dem Gutachten sei davon auszugehen, dass die Krankheit der Ehefrau vorübergehender Natur sei und sie ab 2011 wieder Geld verdienen könne. Solche Prognosen seien aber nicht 100-prozentig sicher: Darüber müsse man also später entscheiden.