Scheidung nach 40 Jahren

Ehefrau verlangt, wegen Tätlichkeiten des Mannes den Versorgungsausgleich auszuschließen

onlineurteile.de - 40 Jahre hielt es die Ehefrau mit ihrem Mann aus, obwohl sie später behauptete, sie habe "die Ehe als Martyrium erlebt". Der Ehemann habe massive Alkoholprobleme gehabt. Im Suff habe er sie beleidigt und attackiert. Sie habe nur wegen der zwei - längst volljährigen - Kinder ausgeharrt und um ihres katholischen Glaubens willen an der Ehe festgehalten. 2006 reichte die Frau die Scheidung ein.

Lange war sie geduldig. Doch nun wollte es die Frau nicht einmal mehr dulden, dass das Familiengericht bei der Scheidung den Versorgungsausgleich durchführte: Monatliche Rentenanwartschaften von 20,95 Euro pro Monat übertrug es von ihrem Versicherungskonto auf das Konto des Mannes. Das sei angesichts des Fehlverhaltens ihres Mannes grob unbillig, fand die Frau und legte Beschwerde ein.

Nun hielten ihr die Richter des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm ihre frühere Langmut vor (2 UF 111/08). Trotz seiner alkoholbedingten Ausfälle habe die Frau die eheliche Lebensgemeinschaft fortgesetzt und mit ihm zusammen ihr Leben gestaltet. Und das nicht etwa, weil sie wirtschaftlich von ihrem Mann abhängig gewesen wäre, sie habe ja Vermögen. Finanziell sei das Paar ungeachtet aller Konflikte eng verknüpft gewesen, so das OLG. Die Ehefrau habe ihr Vermögen auf gemeinsame Konten transferiert. Zusammen habe das Paar seinem Sohn und dessen Ehefrau ein hohes Darlehen gewährt.

Wenn der Ausgleichspflichtige die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft über so viele Jahre hinweg nie in Frage stelle, reichten selbst schwerwiegende Verfehlungen des Mannes gegen die eheliche Gemeinschaft nicht aus, um den Versorgungsausgleich vollständig auszuschließen Außerdem falle für die wohlhabende Frau der auszugleichende Betrag von nur 20,95 Euro monatlich nicht ins Gewicht.