Scheidung: Wer bekommt das Geld auf dem Sparkonto?

Auch das Guthaben auf einem Einzelsparkonto kann beiden Partnern gehören

onlineurteile.de - Vor der Heirat im Jahr 1988 hatte das Paar Gütertrennung vereinbart. Der Ehemann war Finanzbeamter, seine Frau betreute die Kinder. Alle Einkünfte der Eheleute flossen auf das Girokonto des Ehemannes, für das die Frau eine Kontovollmacht hatte. Was übrig blieb, wurde vom Girokonto auf das Einzelsparkonto des Ehemannes bei der Sparkasse überwiesen. Dieses Geld war für Anschaffungen wie Möbel bestimmt: 1996 kaufte das Paar davon eine neue Schlafzimmereinrichtung. Geplant war auch, später einmal damit ein Eigenheim zu finanzieren.

So weit kam es nicht, denn 2002 verließ der Ehemann die Familie. Nun wurde um das Geld auf dem Sparkonto gestritten (ca. 14.100 Euro). Der ungetreue Mann sah überhaupt nicht ein, warum er das Guthaben aufteilen sollte: Sie hätten Gütertrennung vereinbart und das Sparkonto laute auf seinen Namen. Außerdem habe seine Frau so gut wie nie etwas auf das Sparkonto eingezahlt.

Doch beim Oberlandesgericht Bremen setzte sich die Frau durch: Ihr stehe die Hälfte des Guthabens zu, entschieden die Richter (4 W 24/05). Im Prinzip gehöre zwar das Guthaben auf einem Einzelsparkonto dem Kontoinhaber. Wenn aber Ersparnisse beiden Eheleuten bzw. der Familie zugute kommen sollten, liege die Sache anders. Bestehe Einvernehmen darüber, mit dem Guthaben gemeinsame Zwecke zu verfolgen, sei dies als (stillschweigende) Vereinbarung anzusehen, dass das Guthaben beiden Eheleuten gehöre ("Bruchteilsgemeinschaft"). Dann sei es auch belanglos, wer wie viel eingezahlt habe und ob Gütertrennung vereinbart sei oder nicht.