Scheinvater verlangt Auskunft über den "richtigen"

Anspruch darauf besteht nur, wenn der Scheinvater seine Vaterschaft erfolgreich angefochten hat

onlineurteile.de - 1991 hatte das Paar geheiratet, ein paar Monate später brachte die Frau einen Jungen zur Welt. 1998 wurde die Ehe geschieden. Der Ehemann zahlte für den vermeintlichen Sohn Kindesunterhalt. Erst 2009 gab er ein Abstammungsgutachten in Auftrag, das aufdeckte, dass er nicht der Vater des Jungen war. Nun forderte der Scheinvater von seiner Ex-Frau Auskunft.

Sie müsse ihm den leiblichen Vater des Kindes verraten oder gegebenenfalls die Namen aller nennen, mit denen sie im Zeitraum vom 300. Tag bis zum 181. Tag vor der Geburt des Kindes Geschlechtsverkehr hatte. Denn er beabsichtige, vom leiblichen Vater Schadenersatz für den grundlos gezahlten Kindesunterhalt zu verlangen.

Das Oberlandesgericht (OLG) Jena wies den Antrag auf Auskunft zurück (1 WF 353/10). Ein Abstammungsgutachten bringe Klarheit für den Scheinvater, erläuterte das OLG. Es verändere aber nicht seine Rechtslage. Nach wie vor sei der Scheinvater "rechtlicher" Vater des Kindes, denn er habe seine Vaterschaft noch nicht vor Gericht angefochten.

Das bedeute: Er gelte weiterhin als Vater und bleibe für das Kind sorgeberechtigt und unterhaltspflichtig. Diese Rechte und Pflichten könne der Scheinvater nur durch ein Anfechtungsverfahren beenden. Und erst dann könne er von der Mutter des Kindes - im Rahmen eines Antrags auf Klärung der Vaterschaft - Auskunft über den "richtigen" Vater fordern (bzw. über die als Väter in Betracht kommenden Männer).