Schlechte Noten fürs Hotel im Internet-Reiseportal ...

... berechtigen den Kunden eines Reiseveranstalters nicht zur Kündigung

onlineurteile.de - Über das Online-Buchungsportal der X-GmbH buchte ein Kunde im Sommer 2009 eine Pauschalreise für sich und seine Familie. Eine Woche vor dem Urlaub teilte der Mann der X-GmbH per E-Mail mit, er habe in Internetreiseportalen schlechte Bewertungen des gebuchten Hotels gelesen (in punkto Hygiene und Essen). Dieser Gefahr könne er seine Familie nicht aussetzen.

Auf die Schnelle konnte die Reiseveranstalterin am Urlaubsort keine Zimmer in einem anderen Hotel zum gleichen Preis finden. Eine Garantie dafür, dass die Beschwerden über das gebuchte Hotel unberechtigt waren, wollte sie dem Kunden auf keinen Fall geben. Daraufhin kündigte der Familienvater den Reisevertrag, ohne die Stornogebühren von ca. 1.000 Euro zu zahlen (laut Vertragsbedingungen fällig bei Reiserücktritt bis zum 7. Tag vor dem Reisebeginn).

Mit Erfolg klagte die Reiseveranstalterin X-GmbH den Betrag ein: Der Kunde habe das Vorliegen von Reisemängeln nicht belegt, erklärte das Amtsgericht Bremen, und müsse daher die Stornokosten tragen (10 C 121/11). Allein auf anonyme Bewertungen des Hotels in einem Internetreiseportal könne er eine Kündigung des Reisevertrags nicht stützen.

Ob die (2008 kritisierten) Mängel jemals existierten, stehe nicht fest. Niemand wisse, wer das Hotel nach welchen Kriterien beurteilt habe. Solche Bewertungen könnten ohne objektive Prüfung oder sogar in der Absicht abgegeben worden sein, einem Konkurrenten zu schaden. Die X-GmbH sei nicht verpflichtet, derartige Urteile zu dementieren.

Kundenanfragen nach der Buchung müssten Reiseveranstalter nur beantworten, wenn seriöse Informationen für erhebliche Reisemängel sprächen. Das treffe hier aber nicht zu. Eine generelle Auskunftspflicht würde Reiseveranstalter unangemessen belasten: Angesichts der Unmenge subjektiver Bewertungen in einer Vielzahl von Internet-Bewertungsportalen sähen sich die Anbieter mit einer Flut von Anfragen konfrontiert.

Wer nur in gut bewerteten Hotels wohnen wolle, der könne vor einer Buchung die einschlägigen Internetportale konsultieren und sich informieren. Er habe die freie Wahl und müsse keine schlecht benoteten Hotels buchen. So zu verfahren, sei eigentlich naheliegend. Wer diese Möglichkeit auslasse, könne nicht nach der Buchung aus bloßen Vermutungen ein Kündigungsrecht ableiten.