Schlüsseldienst mit Wucherpreisen

Kundin bekommt einen großen Teil des Geldes zurück

onlineurteile.de - Eine Hamburgerin hatte sich ausgesperrt und rief einen Schlüsseldienst zu Hilfe. Der Nothelfer kam, öffnete in zwei bis drei Minuten die Wohnungstüre und dann langte er erst richtig hin: 180,96 Euro kostete die Aktion. Die Kundin zahlte und erkundigte sich anschließend in der Branche nach den üblichen Tarifen für einen solchen Einsatz (an Werktagen zur Tageszeit). Bei ihren Nachforschungen ermittelte sie einen Durchschnittspreis von ca. 50 Euro. Daraufhin forderte die Frau vom Schlüsseldienst - einem Unternehmen mit Geschäftssitz in München und Filialen im ganzen Bundesgebiet - das Entgelt zurück. Er verlange Wucherpreise, warf sie ihm vor.

Die Höhe des Entgelts sei der Leistung durchaus angemessen, erwiderte das Unternehmen unverfroren: Schließlich seien im Preis ja auch Anfahrt, Mehrwertsteuer und "Vorhaltekosten für Material und Personal" enthalten. (Im Internet wirbt das Unternehmen allerdings mit einem Preis von 41 Euro netto!) Da man sich nicht darüber einigen konnte, welches Entgelt "angemessen" ist, ließ das Amtsgericht München ein Gutachten erstellen (141 C 27160/03). Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, der Durchschnittspreis für eine Wohnungsöffnung (an Werktagen zur Tageszeit) schwanke in Hamburg zwischen 40 und 50 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer).

Da der Schlüsseldienst mehr als das Dreifache verlangt habe, handle es sich um Wucher, so die Richterin. Leistung und Gegenleistung stünden in krassem Missverhältnis. Sie verurteilte das Unternehmen dazu, der Kundin 133,39 Euro zurückzuzahlen. (Welches Gericht zuständig ist, richtet sich nach dem Geschäftssitz des verklagten Unternehmens. Deshalb fand der Prozess in München statt.)