Schneemassen auf dem Betriebsgebäude

Wer angesichts erkennbarer Gefahr direkt davor den Wagen abstellt, tut dies auf eigenes Risiko!

onlineurteile.de - Liegt viel Schnee, sollten Autofahrer genau aufpassen, wo sie ihren Wagen abstellen. Denn die Chancen, nach einem Autoschaden durch Dachlawinen Schadenersatz vom Hauseigentümer zu bekommen, sind äußerst gering. Es ist Aufgabe jedes Einzelnen, sich und sein Eigentum zu schützen, so formulierte es eine Richterin am Amtsgericht München.

Der konkrete Fall: Eine Angestellte war mit dem Auto ihres Mannes (Opel Corsa) Mitte Januar 2011 zur Arbeit gefahren. Im Hof des Betriebs standen Parkplätze zur Verfügung, acht im Norden und fünf an der Ostseite des Gebäudes. Das Firmengebäude ist sechs Meter hoch. Die Dachneigung beträgt 25 Grad, auf dem Dach waren keine Schneefanggitter montiert. Geräumt war es am Unfalltag nur auf der Nordseite.

Die Angestellte parkte jedoch auf der Ostseite. Tagsüber löste sich eine Lawine aus Schnee und Eisbrocken vom Hausdach und stürzte auf den Opel. Die Frontscheibe zersprang, das Autodach wurde eingedrückt: Die Reparatur des Wagens kostete rund 2.000 Euro. Der Autobesitzer forderte Schadenersatz vom Eigentümer des Grundstücks, der überhaupt nichts unternommen habe, um Schäden durch Dachlawinen vorzubeugen.

Dem widersprach das Amtsgericht München (275 C 7022/11). Eine kommunale Vorschrift, Schneefanggitter zu montieren, existiere vor Ort nicht. Daher müsse der Eigentümer des Gebäudes nur dann Sicherungsmaßnahmen treffen, wenn besondere Umstände dies erforderten (z.B. Schneehäufigkeit am Ort, Lage und Art des Gebäudes, Art und Umfang des Verkehrs). Die lägen hier aber nicht vor.

Das Betriebsgebäude sei nicht sehr hoch, das Dach nicht sehr steil — das Risiko von Dachlawinen damit überschaubar. Die Bewohner Oberbayerns, eines eher schneereichen Gebiets, seien mit dieser Gefahr vertraut. Ein Warnschild erübrige sich daher — zumal die Schnee- und Eismassen auf dem Dach ohnehin nicht zu übersehen waren. Wer angesichts dessen sein Auto dort abstelle, tue dies auf eigenes Risiko. Wenn der Eigentümer die Ostseite des Dachs nicht räume, zeige dies außerdem deutlich, dass das Parken dort unerwünscht war.