Schnüre für Viehtrieb gespannt

Mountainbiker purzelt über die blaue Absperrung

onlineurteile.de - Ein Landwirt trieb seine Kühe morgens und abends von seinem Hof zum Weideland und umgekehrt. Dabei musste er einen Waldweg überqueren. Diesen Weg sperrte er mit zwei blauen Nylonschnüren ab und ließ die Kühe zwischen den Schnüren durchlaufen. Anschließend entfernte er die Absperrung und hängte sie an einen Pfosten neben dem Weg. So ging das 30 Jahre lang. Doch eines Abends stürzte ein Mountainbiker über die quergespannte Schnur und verletzte sich. Der Sportler warf dem Landwirt vor, er habe die Schnur hängen lassen. Ein Zeuge hatte den Unfall beobachtet und eine Schnur gesehen.

Doch das Oberlandesgericht Frankfurt konnte kein Verschulden des Landwirts feststellen und wies die Schadenersatzklage des Radfahrers ab (14 U 86/02). Für die kurze Zeit des Viehtriebs müsse der Bauer die Schnüre nicht mit Warnfähnchen oder Ähnlichem versehen. Außerdem habe er beteuert, die blauen Schnüre zum Viehtrieb gegen 16.30 Uhr gespannt und dann wie üblich an den Pfosten gehängt zu haben. Diese Behauptung sei nicht widerlegt worden. Der Zeuge habe zwar am Abend eine gespannte Schnur gesehen und eine am Boden liegende. Wenn der Landwirt vergessen hätte, die Absperrung zu beseitigen, hätte er aber wohl beide Schnüre hängen lassen.

Möglicherweise hätten dritte Personen nach dem letzten Viehtrieb Unfug getrieben und sie eingehängt. Damit müsse der Landwirt jedoch nicht rechnen, denn in dieser Gegend sei wenig los. Daher könne man ihm jetzt auch nicht vorhalten, er hätte die Schnüre nicht am Weg zurücklassen dürfen. Von ihm zu verlangen, die Schnüre täglich hin- und herzutragen, wäre unverhältnismäßig, weil der Weg sehr selten von Radfahrern befahren werde.