Schüler zahlte Nachhilfeunterricht nicht

Volljährige Schüler schließen selbst mit dem Lehrer einen Unterrichtsvertrag

onlineurteile.de - In den Osterferien 2004 nahm ein Münchner Schüler, der im Gymnasium die Kollegstufe besuchte, Nachhilfe in Biologie. In einem Vorgespräch hatte der volljährige Schüler mit dem Nachhilfelehrer die Konditionen geklärt. Als ihn der Lehrer fragte, wohin er denn die Rechnung schicken solle, antwortete der Schüler: "an meinen Vater". Nach zehn Stunden Unterricht stellte ihm der Lehrer 826 Euro in Rechnung.

Davon sah er keinen Cent. Auch ein Mahnbescheid brachte nichts: Der Schüler stellte sich auf den Standpunkt, er sei nicht der Vertragspartner des Lehrers. Sein Vater müsse den Unterricht bezahlen. Schließlich kam der Streit vor das Amtsgericht München, das ihn zu Gunsten des Nachhilfelehrers entschied (171 C 19789/08). Der Vater des Schülers habe nichts mit der Sache zu tun, so die Amtsrichterin. Wer volljährig sei, könne selbst Verträge schließen.

Der Schüler sei allein beim Lehrer erschienen, er habe den Auftrag für Nachhilfestunden erteilt und den Unterricht genommen. Das habe er selbständig getan und nicht als Vertreter bzw. im Namen seines Vaters. Also hafte er auch für die Kosten. Dass Schüler in diesem Alter bereits Nebenjobs nachgehen oder über Vermögen verfügten und ihre Kosten selbst tragen könnten, sei keineswegs unüblich. Darauf dürfe ein Nachhilfelehrer auch vertrauen.

Der Schüler habe zwar angegeben, die Rechnungen sollten an den Vater geschickt werden. Das ändere aber nichts. Deswegen müsse der Nachhilfelehrer nicht davon ausgehen, dass der unbekannte Vater sein Vertragspartner sei. Dass Rechnungen auf Grund interner Absprachen von dritten Personen übernommen würden, komme häufiger vor. Das lasse keinen Rückschluss auf den Vertragspartner zu.