Schuldrecht

Auto kam aus der Tiefgarage ... Mit falsch fahrender Radfahrerin zusammengestoßen - zur Haftungsquote

onlineurteile.de - Die Eigentumswohnungsanlage liegt an einer ruhigen Münchner Einbahnstraße. Eines Abends fuhr eine Hausbewohnerin mit ihrem VW Golf aus der Tiefgarage heraus. Im gleichen Moment näherte sich von rechts - entgegen der Einbahnstraße - auf dem Gehweg eine Radfahrerin. Obwohl beim Öffnen der Tiefgarage wie immer eine Warnleuchte in Orange ansprang, um Fußgänger auf ausfahrende Autos aufmerksam zu machen, übersah oder ignorierte die Radfahrerin das Signal. Sie prallte gegen den VW, als die Autofahrerin etwa einen Meter in den Gehweg eingefahren war, und stürzte über die Motorhaube.

Resultat: eine verletzte Radfahrerin, eine verkratzte Motorhaube und ein eingedellter vorderer Kotflügel. Die Autobesitzerin musste für die Reparatur des Wagens 1.057 Euro ausgeben und forderte von der Radfahrerin Ersatz. Diesem Vorschlag konnte die Verletzte wenig abgewinnen: Beleidigt verwies sie auf ihre Wunden und Prellungen, verlangte ihrerseits Entschädigung für Arztkosten (234 Euro) sowie 495 Euro Schmerzensgeld. Nach ständiger Rechtsprechung hafteten im übrigen Radfahrer bei Kollisionen mit Autos nur zu einem Drittel, meinte die Radfahrerin.

Im konkreten Fall gebe es gute Gründe, davon abzuweichen, erklärte das Amtsgericht München (344 C 26559/05). Zwar sei es richtig, dass die Golf-Fahrerin ein gewisses Mitverschulden treffe, weil Autofahrer eben immer mit Radfahrern rechnen müssten. Da sich die Radfahrerin jedoch mehrere krasse Verkehrsverstöße auf einmal leistete, hafte sie für zwei Drittel des Schadens.

Die Frau sei entgegen der vorgeschriebenen Richtung gefahren - auf einem Gehweg, der für Radfahrer nicht freigegeben sei. Dabei sei wegen der hereinbrechenden Dunkelheit die Sicht bereits schlecht gewesen, was das Risiko noch erhöhte. Zudem habe sie dann auch noch das orangefarbene Warnlicht missachtet. (Die Radfahrerin hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.)