Schule geschwänzt und "geflogen"

Wer seine Ausbildung nicht zielstrebig verfolgt, verliert den Anspruch auf Ausbildungsunterhalt

onlineurteile.de - Der 1989 geborene Sohn geschiedener Eltern wohnte beim Vater und dessen zweiter Ehefrau. Anfang 2007 verschlechterten sich seine Leistungen im Gymnasium rapide, deshalb gab es Zoff mit dem Vater. Der Streit eskalierte, als der Vater dem Halbjahreszeugnis entnahm, dass der Junge öfters unentschuldigt in der Schule gefehlt hatte. Bald darauf verließ der Schüler die Familie und zog in eine eigene Wohnung.

Jugendamt und Eltern versuchten vergeblich, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Schließlich flog der Junge von der Schule. Vom Vater forderte er ab Mai 2007 Ausbildungsunterhalt. Der ungelernte Arbeiter hatte nur einen schlecht bezahlten Halbtagsjob und erklärte sich für zahlungsunfähig. Sein Einkommen spiele gar keine Rolle, erklärte das Oberlandesgericht Frankfurt, denn der Sohn habe durch sein Verhalten sowieso jeden Anspruch auf Ausbildungsunterhalt verspielt (5 UF 46/08).

Volljährigen Kindern stehe Unterhalt nur zu, solange sie eine Ausbildung absolvierten. Da der Sohn jedoch inzwischen die Schule verlassen habe, müsse er künftig für seinen Lebensunterhalt selbst aufkommen. Auch für die Monate vor dem Hinauswurf könne er keinen Unterhalt verlangen. Denn darauf hätten unterhaltsberechtigte Kinder nur Anspruch, wenn und solange sie ihre Ausbildung ernsthaft und konsequent verfolgten.

Der Sohn habe die Schule jedoch schon längere Zeit vernachlässigt und sogar "geschwänzt". Nicht zuletzt deswegen habe er sich mit dem Vater zerstritten. Nach seinem Auszug habe er die Schlamperei auf die Spitze getrieben. Angaben zu den Ursachen seines Schulversagens oder Perspektiven für einen weiteren Ausbildungsgang sei er auch im Prozess schuldig geblieben.