Schulkarriere mit Knick

Vater verweigert sitzengebliebener Tochter den Ausbildungsunterhalt

onlineurteile.de - Die bereits volljährige Tochter besuchte in Portugal die 11. Klasse einer allgemeinbildenden Schule. Bis zur 9. Schulklasse war ihre Schul- karriere einigermaßen normal verlaufen. Dann war sie zweimal sitzen- geblieben. Der in Deutschland lebende Vater wollte ihr daraufhin keinen Ausbildungsunterhalt mehr zahlen, weil seine Tochter die Schulausbildung nicht ernst nehme.

Doch das Oberlandesgericht Köln gelangte nach Prüfung aller Umstände zu dem Ergebnis, die junge Frau sei noch nicht als "endgültige Schulversagerin" zu behandeln (4 UF 90/04). Sie sei zwar nicht gerade eine gute Schülerin. Dass seine Tochter die Schule nur "pro forma" besuche - wie der Vater im Rechtsstreit behauptet hatte -, sei jedoch schwer übertrieben, erklärten die Richter. Immerhin habe sie als Jugendliche eine fremde Sprache lernen müssen, sei nicht in der Muttersprache unterrichtet worden. Das erkläre so einige Defizite.

Trotzdem habe die Schülerin nun die 11. Klasse geschafft und damit die Chance gewahrt, mit der 12. Klasse die allgemeine Schulbildung abzu- schließen. Wegen der bescheidenen finanziellen Verhältnisse der Mutter (der gut situierte Vater hatte jahrelang nur die Hälfte des untersten Satzes der Unterhaltstabelle gezahlt) habe die Schülerin außerdem in den Ferien arbeiten müssen. Unter diesen Umständen sei es nicht gerechtfertigt, der Tochter den Ausbildungsunterhalt zu streichen.