Schulpflicht hat Vorrang!

Eltern dürfen ihre Kinder nicht aus Glaubensgründen vom Unterricht fernhalten

onlineurteile.de - Die Eltern von fünf schulpflichtigen Kindern gehören einer Glaubensgemeinschaft an, die möglichst wortgetreu nach den Maßstäben der Bibel zu leben versucht. Da sie der Ansicht waren (und sind), dass einige Lerninhalte der Schule ihren religiösen Anschauungen widersprechen, meldeten die Eltern im August 2001 ihre Kinder von der Schule ab und unterrichteten sie zuhause. Unzumutbar für ihre Kinder fanden sie den Religionsunterricht, den Inhalt des Sexualkundeunterrichts sowie die Vermittlung der Evolutionstheorie.

Kinder vom Unterricht fernzuhalten, verstößt gegen das Hessische Schulgesetz, erklärte das Oberlandesgericht Frankfurt (2 Ss 139/04) und bestätigte ein Urteil des Landgerichts Gießen. Es hatte die Eltern unter Vorbehalt einer Geldstrafe verwarnt. Begründung: Der Glaube der Eltern hebe nicht die Schulpflicht für ihre Kinder auf. Sie müssten die schulischen Bildungsziele und Unterrichtsinhalte auch gelten lassen, wenn sie ihren religiösen Überzeugungen widersprächen. Aus der Glaubensfreiheit folge kein Anspruch darauf, sich nicht mit bestimmten wissenschaftlichen Erkenntnissen beschäftigen zu müssen. Im Sexualkundeunterricht werde den Kindern nichts zugemutet, was sie nicht verkraften könnten: Und Schulwirklichkeit müsse den Alltag widerspiegeln, in dem Kinder durch die moderne Medienwelt oder durch Mitschüler Einflüssen ganz anderer Art ausgesetzt seien.