Schweinegrippe nicht erkannt

Mediziner diagnostizierte zunächst eine normale Grippe: Behandlungsfehler?

onlineurteile.de - Dem Allgemeinarzt bot sich ein für Herbsttage gewohntes Bild: Patient K hatte Fieber, Husten und fühlte sich schlapp. Die Diagnose: eine Grippe. Nach drei Tagen verschlimmerten sich die Beschwerden, der Arzt verschrieb Paracetamol. Das Fieber stieg weiter. Einige Tage später suchte K ein Krankenhaus auf.

Dort stellten die Ärzte eine leichte Lungenentzündung fest, die mit Antibiotika behandelt wurde. Gegen ihren Rat verließ K die Klinik bald wieder — zu Hause verschlechterte sich sein Zustand. K suchte ein weiteres Krankenhaus auf, wo sich die vermeintlich klassische Grippe als Schweinegrippe entpuppte.

Es folgten künstliches Koma und Intensivstation. Fast vier Monate dauerte es, bis sich der Patient vom Schlimmsten erholte. K's Bewegungsfähigkeit blieb jedoch stark eingeschränkt. Ob er jemals vollständig genesen wird, ist unklar. K warf dem Allgemeinarzt vor, die Schweinegrippe verkannt zu haben und forderte Schmerzensgeld.

Der Mediziner wehrte sich gegen den Vorwurf einer Fehldiagnose. Er habe dem Patienten ausdrücklich geraten, sich bei weiteren Beschwerden ins Krankenhaus zu begeben. Die Symptome seien nicht eindeutig gewesen. Zu Beginn der Behandlung hätte er gar nicht feststellen können, ob der Infekt durch Bakterien oder Viren ausgelöst wurde.

Das Oberlandesgericht Hamm verließ sich auf das Gutachten eines Medizinprofessors, der einen Behandlungsfehler verneinte (3 U 26/13). K sofort ins Krankenhaus einzuweisen, sei von den Symptomen her nicht notwendig gewesen, so der Sachverständige. Patienten mit Grippe oder leichter Lungenentzündung würden wegen der Ansteckungsgefahr in Kliniken in der Regel zu Hause behandelt. An Atemnot habe K nicht gelitten.

Ebenso wenig hätte der Arzt das Medikament Tamiflu verschreiben müssen, dessen therapeutische Wirkung umstritten sei. Bronchiale Rasselgeräusche, die er beim Abhören von K feststellte, stützten die Diagnose eines grippalen Infekts durch Viren.

Zudem hätte sich am Verlauf der Krankheit nichts geändert, wenn die Schweinegrippe früher erkannt und K früher im Krankenhaus behandelt worden wäre. Die gravierenden Folgen wären auch dann aufgetreten. K's Gesundheitszustand habe sich erst in der Klinik entscheidend verschlechtert - Stunden, nachdem er dort erschien. Erst dann sei künstliche Beatmung nötig gewesen und sofort eingeleitet worden. Für den tragischen Verlauf der Krankheit sei nicht der Allgemeinarzt verantwortlich.