Schwer behindert durch Fehler bei der Geburt

Angestellte Krankenhausärzte haften nicht für Fehler von Hebammen

onlineurteile.de - Ein heute 26 Jahre alter Mann ist seit seiner Geburt schwer behindert, weil der Hebamme dabei ein schwerer Fehler unterlief. Eine angestellte Klinikärztin hatte seine Mutter vor der Entbindung untersucht und es dann der (ebenfalls bei der Klinik angestellten) Hebamme überlassen, die Geburt zu überwachen. Die Hebamme wertete den Wehenschreiber falsch aus, erkannte deshalb Komplikationen nicht rechtzeitig und rief die Ärztin zu spät herbei. Das Baby wurde dadurch unzureichend mit Sauerstoff versorgt.

20 Jahre später wollte sich die gesetzliche Krankenkasse einen Teil ihrer Ausgaben für den Behinderten von der Krankenhausärztin zurückholen und verklagte sie auf Schadenersatz. Doch das Landgericht Osnabrück wies die Zahlungsklage ab, weil angestellte Krankenhausärzte nicht für die Fehler von Hebammen haften müssten (2 O 3935/04).

Die Krankenkasse habe ihren Anspruch mit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs begründet, wonach ein Belegarzt (= ein Arzt, der Einrichtungen einer Klinik nutzt, die Patienten aber in eigener Regie behandelt) für Fehler einer freiberuflich tätigen Hebamme einstehen müsse. Das sei aber eine andere Konstellation.

Eine freiberufliche Hebamme arbeite nämlich für den Belegarzt und in dessen Auftrag. Bei einer Geburt trage allein der Belegarzt die Verantwortung - jedenfalls ab der Eingangsuntersuchung im Kreißsaal.

Im konkreten Fall sei die Hebamme jedoch nicht "Erfüllungsgehilfe" der Ärztin gewesen, sondern des Krankenhauses. Die Ärztin selbst habe damals völlig korrekt gehandelt. Ihr sei keinerlei Pflichtverletzung vorzuwerfen und für den Fehler der Hebamme müsse sie nicht geradestehen.