Schwesternschülerin verkokelte Kroketten

Werksfeuerwehr der Klinik rückte aus: Das kostet die junge Frau 900 Euro

onlineurteile.de - Die Arbeitspause verbrachte eine Schwesternschülerin in ihrem Zimmer im Schwesternwohnheim. Sie hatte Hunger und wollte in ihrem kleinen Herd ein paar Kroketten aufbacken. Das Gerät hatte sie sich besorgt, obwohl es laut Hausordnung strikt verboten war, in den Zimmern Heizplatten, Backöfen oder dergleichen zu benützen. Prompt schlief die junge Frau ein und die Kroketten verbrutzelten im Ofen.

Rauchmelder im Flur registrierten den starken Rauch und lösten Alarm aus. Die Werksfeuerwehr des Krankenhauses rückte mit vier Fahrzeugen und 23 Personen aus, evakuierte alle Bewohnerinnen des Wohnheims und verhinderte einen Brand. 900 Euro kostete der Einsatz, den die Klinik der Schwesternschülerin in Rechnung stellte.

Doch die weigerte sich zu zahlen. Mit vier Einsatzfahrzeugen aufzukreuzen, sei total unverhältnismäßig gewesen, meinte die Schülerin. Zumindest hätten sich die Feuerwehrleute erkundigen können, ob das notwendig sei. Die Truppe sei sowieso immer präsent, so dass die Klinik keine Zusatzkosten gehabt habe. Außerdem hätte man die freiwillige Feuerwehr rufen können, die sei kostenlos.

Das sei ein Irrtum, so das Amtsgericht München (133 C 5875/11). Auch wenn die "Freiwilligen" ausrückten, müsse - nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz - der Verursacher der Gefahr die Kosten tragen. Das Argument, die Mitglieder der Feuerwehr seien ohnehin auf dem Gelände, verfange ebenfalls nicht. Jede Feuerwehr halte Personal und Fahrzeuge vor, um im Fall des Falles einsatzbereit zu sein. Würde man dieses Argument gelten lassen, müsste nie irgendein Einsatz bezahlt werden.

Die Werksfeuerwehr müsse nicht durch einen Anruf an der Heimpforte oder durch ein "Ein-Mann-Vorauskommando" vorab klären, ob es notwendig sei, mit dem gesamten Löschzug auszurücken. Das würde viel zu viel Zeit kosten und im Zweifelsfall Leib und Leben der Schülerinnen gefährden. Immerhin habe das Schwesternwohnheim 150 Zimmer. Da sich bereits dichter Rauch entwickelte, hätten sich Personen und Sachen in akuter Gefahr befunden, nicht zuletzt die schlafende Schwesternschülerin selbst.