Selbstmord aus Liebeskummer

Boulevardblatt berichtet - Eltern klagen auf Schmerzensgeld

onlineurteile.de - Eine äußerst problematische Beziehung endete tragisch: Nach zwei erfolglosen Selbstmordversuchen seiner Freundin nahm sich ein 19-Jähriger das Leben. Der Lehrling fuhr mit seinem Auto in den Wald, übergoss sich mit Benzin und verbrannte sich im Wagen. Darüber berichtete eine bekannte Boulevardzeitung ("Ende einer Teenagerliebe", "ein Drama wie Romeo und Julia"). Der Artikel nannte den Vornamen des "Elektriker-Azubis", den ersten Buchstaben des Nachnamens und den Wohnort. Illustriert war der Text mit einem Foto des jungen Mannes in Feuerwehruniform.

Erst eine Woche später brachten die Obduktion der verkohlten Leiche und eine DNA-Analyse die Gewissheit, dass der Tote im Wald tatsächlich der Lehrling war. Seine Eltern verklagten die Zeitung auf Schmerzensgeld, weil der Artikel das Persönlichkeitsrecht ihres Sohnes verletzt habe. Das Oberlandesgericht Jena wies die Klage ab (8 U 910/04). Es betonte aber, dass die Trauer um den Tod eines nahen Angehörigen zur geschützten Privatsphäre gehöre: Eltern hätten das Recht auf ungestörte Trauer.

Bei der Berichterstattung über einen Selbstmord sei Zurückhaltung geboten, vor allem dürfe die Identität der Person nicht preisgegeben werden. Ein Foto des Lehrlings zu veröffentlichen, sei rechtswidrig gewesen: Die Angehörigen hätten die Publikation nicht genehmigt, zumal sie zu diesem Zeitpunkt noch hofften, der Sohn sei am Leben. Außerdem habe der Bericht eindeutige Hinweise auf die Person gegeben.

Dennoch: Entschädigung in Geld gebe es nur für sehr gravierende Verletzungen des Persönlichkeitsrechts. So sei der Artikel aber nicht zu bewerten. Weder das veröffentlichte Foto, noch der Text hätten die Person des Auszubildenden herabgesetzt oder in seiner Ehre gekränkt. Der Bericht sei - typisch für die B-Zeitung - sehr plakativ und emotional gehalten, stelle aber die Tatsachen richtig dar und überschreite noch nicht die Grenze zur Geschmacklosigkeit.