Selbstmord eines Arbeitnehmers

Witwe verklagt Arbeitgeber wegen "systematischen Mobbings"

onlineurteile.de - Der Arbeitgeber hatte dem Betriebshandwerker im Sommer 2004 betriebsbedingt gekündigt. Im Kündigungsschutzprozess nahm er die Kündigung zurück. Anschließend wurde der Arbeitnehmer, der bisher überwiegend Hausmeistertätigkeiten ausgeführt hatte, in der Stanzerei eingesetzt. Den Zentralschlüssel für Abteilungen und Werkzeugschränke musste er abgeben. Nach einigen Urlaubstagen fand er seinen Umkleidespind belegt vor.

Im September beging der Mann Selbstmord. Nun forderte die Witwe Schadenersatz vom Arbeitgeber, weil er ihren Mann systematisch "gemobbt" und so letztlich in den Tod getrieben habe. Dafür fehle jeglicher Beweis, fand das Bundesarbeitsgericht, und wies die Klage ab (8 AZR 347/07).

Es könne keine Rede davon sein, dass der Arbeitgeber den Handwerker anhaltend feindselig behandelt und so dessen Persönlichkeitsrecht verletzt habe. Wer eine unwirksame Kündigung ausspreche, verletze damit nicht seine Pflicht als Arbeitgeber, auf die Arbeitnehmer Rücksicht zu nehmen. Das sei eine Konfliktsituation, wie sie im Arbeitsleben gang und gäbe sei, und belege nicht, dass hier jemand "fertig gemacht" werden sollte.

Dass man den Mann in die Stanzerei versetzt habe, stelle keinen bewussten Affront dar. Die Maßnahme beruhte auf organisatorischen Überlegungen. Zudem stand im Arbeitsvertrag des Verstorbenen, dass er "auch andere zumutbare Tätigkeiten" verrichten müsse. Die Versetzung habe auch nicht zu Ansehensverlust geführt. Für den Selbstmord des Mannes könne man den Arbeitgeber in keiner Weise verantwortlich machen.