Selbstverstümmelung?

Augenarzt trennte sich beim Hacken von Holz den linken Zeigefinger ab

onlineurteile.de - Ein Augenarzt forderte von seiner Unfallversicherung für den Verlust eines Zeigefingers (Invaliditätsgrad bei Ärzten = 100%) die Versicherungssumme von 400.000 DM. Angeblich hatte er seinen Pferdestall reparieren wollen und dafür einen schmalen Holzkeil benötigt. Deshalb habe er einen Buchenholzscheit zuerst leicht anpicken und dann mit einem weiteren Hieb spalten wollen, erklärte er der Versicherung. Offenbar habe er aber die Wirkung der Axt unterschätzt. Der Hieb sei so kräftig geraten, dass er das Holzstück sofort gespalten und dabei den linken Zeigefinger abgetrennt habe.

Die Unfallversicherung rückte kein Geld heraus - zu Recht, urteilte das Oberlandesgericht Köln (5 U 178/99). Die Darstellung des Arztes sei so wenig plausibel, dass man annehmen müsse, er habe sich selbst verstümmelt, um das Geld von der Versicherung zu kassieren. Wenn er das Holz nur anpicken wolle, hole er nicht mit solcher Wucht aus, dass er den Finger durchtrennen könne. Dies unterstelle eine wesentlich größere Fallhöhe der Axt, als sie für das bloße "Anpicken" vorstellbar sei. In mehreren Versuchen habe ein Sachverständiger dies überprüft und die Schilderung des Versicherungsnehmers als abwegig bezeichnet.

Niemand sei beim Holzhacken dabei gewesen. Dass der Arzt den Verlust seines Fingers absichtlich herbeigeführt habe, sei also nicht 100-prozentig zu beweisen. Die Darstellung des Augenarztes sei aber völlig lebensfremd und das genüge als Beleg für eine freiwillige Amputation. Dazu komme, dass der Versicherungsnehmer während des Prozesses den Ablauf des Geschehens immer wieder verändert und immer weniger präzise geschildert habe. Das erhärte den Verdacht, er habe die Sachaufklärung mehr erschweren denn erleichtern wollen.