Senior will sich nicht scheiden lassen

Krankheit und Alter stellen keine "besondere Härte" dar, die eine Scheidung unzumutbar macht

onlineurteile.de - Seine Frau hatte ihn schon vor über drei Jahren verlassen und war aus dem Einfamilienhaus ausgezogen. Im Alltag kam der fast 80 Jahre alte Herr allein schlecht zurecht. Gegen die Scheidung - die seine Frau forderte und die schließlich vom Amtsgericht ausgesprochen wurde - setzte er sich zur Wehr. Doch das Oberlandesgericht Brandenburg fand keinen guten Grund, sie ihm zu ersparen. Wenn Ehegatten mindestens drei Jahre getrennt lebten, so die Richter, sei die Ehe als dauerhaft gescheitert anzusehen (9 UF 208/06). Dann sei eine Scheidung auch gegen den Willen des Partners möglich.

Vergeblich berief sich der Senior darauf, dass in seinem Fall eine Scheidung eine "besondere Härte" wäre. Er verwies auf seinen Herzinfarkt, sein Alter und seine Angst vor dem Alleinsein. Besonders in Haus und Garten vermisse er die Hilfe seiner Frau, da "müsse er jetzt alles alleine machen". Die Trennung belaste ihn sehr.

Eine Scheidung sei immer mit Kummer und Angst vor Einsamkeit verbunden, erklärte ihm das Gericht. Das sei kein außergewöhnlicher Fall im Sinne der Härteklausel, der es rechtfertigte, seiner Frau die Scheidung zu verweigern. Eine "besondere Härte" liege nur vor, wenn die Aufrechterhaltung der Ehe das einzige Mittel sei, um einen (die Scheidung ablehnenden) Ehepartner vor einer unerträglichen Lage zu bewahren.

Härten, die regelmäßig mit Trennung und Scheidung verbunden seien, seien dagegen hinzunehmen. Die Krankheit des Ehemannes sei durch ärztliche Hilfe zu beherrschen. Herzprobleme bestünden ja unabhängig von der familiären Situation. Probleme mit dem Haushalt stellten erst recht keinen Grund dar, die Scheidung abzulehnen: In diesem Punkt könne er die Familie und Freunde um Hilfe bitten oder auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.