Sparbuch ohne Auflösungsvermerk

Bank kann beweisen, dass das Guthaben über 175.000 DM ausgezahlt wurde

onlineurteile.de - Hätte es mit der Auszahlung geklappt, wären die finanziellen Probleme des Mannes beendet gewesen. Denn das Sparbuch wies ein Guthaben von 175.000 Mark aus - und zwar datiert auf den 11. Juni 1981! Mit den seither aufgelaufenen Zinsen wäre eine ordentliche Summe zusammengekommen. Der "Sparer", der das Büchlein vorlegte, hatte allerdings die Rechnung ohne die Sparkasse gemacht.

Seine Zahlungsklage gegen das Geldinstitut blieb beim Oberlandesgericht Köln erfolglos (13 U 133/02). Dabei sprach das Sparbuch als Beweisurkunde für ihn: Die Auszahlung des Guthabens war nicht eingetragen, es gab auch keinen Auflösungsvermerk. Sparbucheinträge hätten besonderes Gewicht, betonten die Richter. Denn Geld aus Sparguthaben werde grundsätzlich nur gegen Vorlage des Sparbuchs ausgezahlt. Auch um ein Sparkonto aufzulösen, müsse der Kunde das Buch vorlegen. Um die Richtigkeit der Einträge in einem Sparbuch zu widerlegen, müsse ein Geldinstitut deshalb mehr aufbieten als bankinterne Unterlagen.

Trotz der hohen Hürde gelang es der Sparkasse zu beweisen, dass sie das Guthaben bereits ausgezahlt hatte. Sie konnte nicht nur Unterlagen und die damalige Korrespondenz mit dem Kunden auftreiben. Eine langjährige Mitarbeiterin bestätigte darüber hinaus, dass sie das Sparbuch Ende 1981 aufgelöst hatte. Der Kunde habe vorher mit dem Sparguthaben einen Kredit der GmbH abgesichert, deren Gesellschafter er damals war. Dann habe er sie beauftragt, das Guthaben auf ein neu eingerichtetes Festgeldkonto dieser GmbH zu buchen. Das überzeugte die Richter. Da ihnen obendrein der "Sparer" nicht erklären konnte, woher die 175.000 Mark auf dem Festgeldkonto stammten - wenn nicht vom Sparbuch -, verlor er den Prozess.