Spielsüchtiger vereinbart mit Casino Sperre

Spielbank darf sie nicht ohne Prüfung der Suchtgefahr aufheben

onlineurteile.de - Jahrelang spielte der Mann und verlor am Roulette-Tisch viel Geld. Anfang 2004 bat er die Casino-Betreiber, ihn deutschlandweit in all ihren Spielbanken vom Spiel auszuschließen. Sie verhängten daraufhin gegen ihn eine Spielsperre für sieben Jahre. Per E-Mail bat der Spieler zweieinhalb Jahre später, die Sperre aufzuheben: Seine finanzielle Lage habe sich "normalisiert".

Die Spielbank-GmbH ließ sich von Creditreform die Bonität des Gesperrten bestätigen und hob die Spielsperre auf. Bis März 2008 verzockte er beim Roulette weitere 240.000 Euro. Nun verlangte seine Ehefrau (der er seine Ansprüche abgetreten hatte) Schadenersatz: Die Spielbank-GmbH habe ihren Mann pflichtwidrig am Glücksspiel teilnehmen lassen.

So sah es auch der Bundesgerichtshof (III ZR 251/10). Eine Spielsperre sei ein Vertrag: Ein Spielsüchtiger erkenne, dass er sich selbst gefährde, und verstelle sich mit Hilfe der Spielbank den Zugang. Sie erkläre sich einverstanden damit, den Spieler vor hoffnungsloser Überschuldung durch Glücksspiel zu bewahren. Dazu sei das Unternehmen dann auch verpflichtet - selbst dann, wenn der Spieler wieder "loslegen" wolle.

Wenn das Casino dem Wunsch, die Sperre aufzuheben, einfach nachgeben dürfte, wäre die Sperre von vornherein sinnlos. Die Spielbank müsse sich vorher vergewissern, dass die Gründe, die dazu geführt haben, nicht mehr bestehen — dass also der Spieler nicht mehr vor sich selbst geschützt werden müsse. Allein ein zeitlicher Abstand gewährleiste nicht, dass der Spieler nun zu kontrolliertem Spiel in der Lage sei.

Ob das zutraf, habe die Spielbank nicht geprüft und damit ihre Pflicht aus dem Sperrvertrag verletzt. Deshalb müsse sie Schadenersatz leisten. Dass sie Creditreform um Auskunft gebeten habe, entlaste die Spielbank nicht. Das Einkommen des Spielers habe nichts mit dem Kern des Problems zu tun. Ein Spieler lasse sich ja nur dann freiwillig sperren, wenn er es sich selbst nicht zutraue, angesichts von Verlusten oder gar drohendem Ruin mit dem Spielen aufzuhören.