Stationsärztin informiert über Operationsrisiken

Operateur darf diese Aufgabe einer Kollegin übertragen

onlineurteile.de - Der Patientin stand eine umfangreiche gynäkologische Operation bevor. Sie wurde von einer Stationsärztin über die mit dem Eingriff verbundenen Gefahren unterrichtet. Später scheint es dann zu Komplikationen gekommen zu sein. Jedenfalls klagte die Patientin auf Schadenersatz wegen mangelhafter Information: Ihre Zustimmung zu dem Eingriff sei nicht wirksam gewesen, weil sie nicht vom Operateur selbst über das Operationsrisiko aufgeklärt wurde.

Das Oberlandesgericht Bamberg fand jedoch am Aufklärungsgespräch mit der Stationsärztin nichts auszusetzen (4 U 39/03). Grundsätzlich sei bei einer Behandlung durch mehrere Ärzte (hier: das gynäkologische Team) jeder verpflichtet, den Patienten über Risiken zu informieren. Das schließe es aber nicht aus, diese Aufgabe an einen der Mediziner zu delegieren, und das müsse nicht unbedingt der Operateur sein. Derjenige, der diese Aufgabe übernehme, trage dann die Verantwortung, wenn die Informationen unrichtig oder unvollständig seien. Werde der Patientin beim Aufklärungsgespräch "im Großen und Ganzen" eine Vorstellung vom Ausmaß des Risikos vermittelt, führe dies zu einer wirksamen Einwilligung. Welcher Mediziner dieses Gespräch führe, spiele keine Rolle. (Revision zum Bundesgerichtshof wurde zugelassen.)