Streit um ein Radarfoto:

"Mein Bruder gleicht mir wie ein Ei dem anderen"

onlineurteile.de - Wegen fahrlässiger Geschwindigkeitsüberschreitung sollte ein Autofahrer 140 Euro Strafe zahlen. Die Polizei konnte seinen Fehltritt mit einem ziemlich scharfen Radarfoto belegen. Dennoch behauptete der Verkehrssünder beharrlich, das sei nicht er, sondern sein in Spanien lebender Bruder. Der sei zwar kein Zwillingsbruder, aber er "gleiche ihm wie ein Ei dem anderen".

Den Bruder benannte er als Zeugen. Vom Gericht wurde der Autofahrer aufgefordert, seine Behauptung mit einem aktuellen Foto des Bruders zu beweisen. Angeblich besaß er jedoch kein Foto. Deshalb wies der Amtsrichter den Beweisantrag zurück. Das war nicht korrekt, entschied das Oberlandesgericht Celle (311 SsRS 54/10).

Wenn ein Autofahrer kein Foto der Person beibringen könne, von der er behaupte, sie sei gefahren, könne man daraus nicht zwingend schließen, der Autofahrer habe selbst am Steuer gesessen. Diese Annahme beruhe nur auf dem Foto als Beweismittel.

Da nun aber der Mann behaupte, sein Bruder sehe ihm ähnlich, könne man ihn anhand des Lichtbilds nicht zuverlässig als Verkehrssünder identifizieren. Der Amtsrichter müsse dem Beweisantrag nachgehen. In Bußgeldsachen sei es nicht Sache des Betroffenen, seine Unschuld zu beweisen.