Streit um eine Tauffeier

Amtsrichter schlichtet im Gerangel eines geschiedenen Paars

onlineurteile.de - Der Vater des 1996 geborenen Mädchens hatte es lange abgelehnt, das Kind taufen zu lassen, er wollte dessen Entscheidungsfreiheit in religiösen Fragen im späteren Leben nicht einschränken. Im Sommer 2002 - das Paar war mittlerweile geschieden, das Kind lebte bei der wieder verheirateten Mutter - war der Vater zwar prinzipiell mit einer Taufe einverstanden. Als ihm seine Ex-Frau allerdings eröffnete, sie wolle dieses Fest zusammen mit dem Geburtstag ihres neuen Mannes feiern, protestierte er heftig. Die gemeinsam sorgeberechtigten Eltern konnten sich in dieser Frage nicht einigen. Da beantragte die Frau bei der Justiz, ihr die Entscheidung über die Taufe des Kindes zu überlassen.

Das Amtsgericht Lübeck bemühte sich, in dem Konflikt zu vermitteln (129 F 116/02). Der Amtsrichter legte der Frau nahe, die Taufe zu verschieben, weil es für das Kind die beste Lösung wäre. Der Vater wolle, dass seine Tochter diesen Tag als "gemeinsam von ihren Eltern gestaltet" erlebe. Dies sei nicht möglich, wenn gleichzeitig eine Feier der "neuen Familie" stattfinde. Die Spannungen in der (durch neue Partner der Eltern) erweiterten Scheidungsfamilie würden sich angesichts der Gleichzeitigkeit der Ereignisse verstärken und auf das Kind übertragen. (Nach dieser Seelenmassage war die Mutter bereit, mit dem Vater zusammen einen neuen Termin zu vereinbaren.)