Streit um Umgangsrecht

Wie bringt man Kindeswohl und den Willen des Kindes in Einklang?

onlineurteile.de - Nach der Scheidung blieb der Sohn des Paares bei der Mutter, die das alleinige Sorgerecht erhielt. Zwei Jahre lang sah der Vater den Jungen überhaupt nicht. Dann setzte er vor Gericht eine Umgangsregelung durch (gemeinsame Ferien, Besuch jedes zweite Wochenende). Die Amtsrichterin erklärte, die Mutter beeinflusse den (damals siebenjährigen) Jungen negativ und stürze ihn in einen tiefen Loyalitätskonflikt. Dass er mit dem Vater Probleme habe, liege nicht am Vater-Sohn-Verhältnis selbst. Die Kontakte in Gegenwart einer Mitarbeiterin des Jugendamts seien sehr positiv verlaufen.

Doch auf Antrag der Mutter unterbrach das Oberlandesgericht (OLG) den Kontakt mit dem Vater wieder, nachdem es das Kind angehört hatte. Der Junge wolle mit dem Vater nichts zu tun haben, so begründeten die Richter ihre Entscheidung. Dagegen erhob der Vater Verfassungsbeschwerde und hatte Erfolg. Der Wille des Kindes sei zu berücksichtigen, betonte das Bundesverfassungsgericht. Doch das OLG hätte auch prüfen müssen, wie weit die Willensäußerungen des (mittlerweile achteinhalbjährigen) Kindes tatsächlich mit dessen wohlverstandenem Interesse übereinstimmten (1 BvR 1986/04).

Die Richter des OLG hätten ihre Entscheidung nur auf die Anhörung des Kindes gestützt und die Ausführungen des Amtsgerichts ignoriert. Dabei gebe es in diesem Fall einige Anhaltspunkte dafür, dass die Mutter den Jungen vom - für seine Entwicklung sehr wichtigen - Kontakt mit dem Vater abbringen wolle. Vorfälle, die der Junge in der Anhörung als negative Erlebnisse mit dem Vater geschildert habe, habe er gar nicht selbst erlebt, sondern von der Mutter erzählt bekommen. Auch den Vorschlag der Amtsrichterin, wieder Treffen im Beisein von Psychologen zu arrangieren, habe das OLG ignoriert. Beim Zusammentreffen mit dem Vater habe der Junge seine Vorbehalte meist schon nach kurzer Zeit aufgegeben. Diese Möglichkeit dürfe man dem Vater nicht verbauen. Die Entscheidung des OLG verstoße daher gegen das im Grundgesetz garantierte Elternrecht des Mannes.